Als vor zwei Jahren auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, zehntausende Menschen demonstrierten und den Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch forderten, wurde in westlichen Systemmedien ausführlich über die Ereignisse in der ukrainischen Hauptstadt berichtet. Seit Monaten demonstrieren auch in Chisinau, der Hauptstadt Moldawiens, Tausende für Neuwahlen. Doch diesmal wird in westlichen Medien über die Ereignisse im Armenhaus Europas kaum berichtet, weil im Fall von Neuwahlen die prorussische Opposition gewinnen würde.

Am Mittwoch stürmten Demonstranten das Parlament in der Hauptstadt Chisinau und am Donnerstag riefen Tausende „Nieder mit der Regierung!“. Man hat uns gestern betrogen und die Demokratie, die Freiheit und die Menschenrechte verhöhnt“, sagte einer der Organisatoren der Proteste, der Anwalt Andrej Nastase. Grund des Ärgers der Moldawier ist die weitverbreitete Korruption und ein Bankenskandal, bei dem knapp eine Milliarde Euro – was rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht – „verschwunden“ ist.

Erst in der Nacht zum Donnerstag hatte das Parlament des krisengeschüttelten, zwischen der Ukraine und Rumänien eingezwängten Kleinstaates Ministerpräsident Pavel Filip und sein Kabinett vereidigt. Filip wird von Brüssel und Washington unterstützt, weil er sein Land in EU und NATO führen will. Dabei ist Moldawien hinsichtlich der Anbindung an den Westen zutiefst gespalten: So sagte 2013 die damalige Außenministerin Natalia Gherman, „während wir die europäische Integration als absolute Priorität unserer Innen- und Außenpolitik verfolgen, spricht sich die andere Seite für eine eurasische Integration in die Zollunion aus, welche das offizielle Projekt ist, das die Russische Föderation für viele Länder in der russischen Nachbarschaft verfolgt“. Aus der Zollunion wurde mittlerweile die Eurasische Wirtschaftsunion, und Gherman musste vor drei Jahren zugeben, dass nur „ungefähr 50 Prozent“ der Moldawier einen Pro-EU-Kurs unterstützen.

 

[Text: B. T.; Bild: Screenshot RT]