Als Außenseiter mit Siegeschancen sieht sich Alexander Van der Bellen. Um mehr Stimmen zu gewinnen, versucht er Verwirrung zu stiften. So will Van der Bellen, der jahrelang Chef der Grünen war, nicht als grüner Präsidentschaftskandidat antreten, sondern als unabhängiger. Und das „Flüchtlingskind“ – er ist Sohn einer Estin und eines Russen mit niederländischen Vorfahren – sagt, „meine Heimat“ Österreich liege ihm am Herzen. Die Politik der Grünen sieht seit deren Gründung freilich anders aus.

Van der Bellen hält auch mit seinem Demokratieverständnis nicht hinterm Berg. Eine FPÖ-geführte Bundesregierung anzugeloben, wenn die Freiheitlichen stärkste Partei sind, ist ihm ein Gräuel. So behauptet der Wirtschaftsprofessor, „die stärkste Fraktion hat nicht automatisch Anspruch auf den Bundeskanzler – nicht juristisch, nicht moralisch, gar nicht“. Mit dieser Aussage zeigt Van der Bellen, dass ihm als Staatsoberhaupt die Ausgrenzungspolitik gegenüber der derzeit in Umfragen stärksten politischen Kraft des Landes wichtiger wäre als der Respekt vor dem Wählerwillen. Von der für das höchste Amt im Staate erforderlichen Überparteilichkeit ganz zu schweigen.

Auch ist Van der Bellen ein glühender Europäer. Anstatt die zahlreichen Irrwege und Sackgassen der Europäischen Union beim Namen zu nennen, fürchtet er eine „Sprengung der Europäischen Union“ durch nationalstaatliches Denken. In dieses Bild passt auch, dass sich der grüne Präsidentschaftskandidat begeistert zeigt, dass der seinerzeitige Bundespräsident Thomas Klestil von der schwarz-blauen Bundesregierung eine Pro-EU-Präambel im Regierungspakt verlangt hat.

 

 

Text: B. T.
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