Der Unterschied zwischen einem Operettenstaat und der Bundesrepublik Deutschland ist der, dass der Operettenstaat noch eine gewisse Ästhetik hat. Die sich häufende Zahl förmlicher Schmierenkomödien der Merkelschen Kabinette hat aber inzwischen Ausmaße angenommen, die man sich in ihrer Offensichtlichkeit und Primitivität gar nicht ausdenken kann.
An peinlichen Gestalten bietet Merkels Ensemble nicht nur eine ehemalige Assistenzärztin in der Rolle der Verteidigungsministerin, sondern auch einen Pharma-Lobbyisten, der jetzt den Gesundheitsminister spielen darf. Solche Personalrochaden ist man sonst aus den „shithole countries“ Südamerikas oder aus Zentralafrika gewohnt. Doch stattdessen feiert die Bourgeoisie den schwulen Jens Spahn auch noch als konservativen Hoffnungsträger.
Der Bankkaufmann und studierte Politologe arbeitete zunächst in einer Immobilienbank, bevor er sich ganz auf seine Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter und Atlantiker konzentrierte. Er ist also noch nie im Leben einer wertschöpfenden oder gesellschaftlichen Tätigkeit nachgegangen. Dafür aber war er im Juni 2017 zum Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz geadelt worden.
Spahns Image als christkonservativer, hemdsärmeliger, islamkritischer Macher wurde spürbarabsichtlich aufgebaut. Er tat sich zu der Zeit auch mehrmals als scharfer Kritiker der Kanzlerin hervor, mit seiner Bemerkung des „Staatsversagens“ der Kanzlerin auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise besetzte er den Part des kantigen Konservativen in der CDU. Er sprach sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aus, forderte öffentlich ein Burka- Verbot und forderte die „Intensivierung der Flüchtlingsabwehr“. Man dachte wohl in den Kreisen der Weltenlenker, die CDU müsse doch wieder ein wenig mehr Schwarz tragen, um die Abwanderung zur AfD etwas einzubremsen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der ZurZeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

[Bild: Olaf Kosinsky/free licence CC BY-SA 3.0/via Wikimedia Commons]