Uwe Tellkamp gilt als einer der bedeutendsten Prosaautoren der Gegenwart. Besonders mit seinem Opus Magnum „Der Turm“ erlangte der 1968 in Dresden geborene Schriftsteller internationale Bekanntheit.
Pünktlich zur Leipziger Buchmesse aber gerät Tellkamp zwischen die Fronten, wird gar als Angriffsziel des linksliberal durchsetzten Literaturbetriebs genutzt. Bei einer Podiumsdiskussion mit seinem Kollegen, dem Lyriker Durs Grünbein, in ihrer gemeinsamen Geburtsstadt Dresden kritisierte Tellkamp sowohl die unkontrollierte Masseneinwanderung als auch den Anstieg der Rohheitsdelikte.
„Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern in unser Sozialsystem“, so der Romancier. Er befürchtet Kürzungen bei der Rente, weil mehr Geld für Flüchtlingshilfe ausgegeben wird. Und er sieht das Land in Gefahr, weil sich die Bevölkerung durch die vielen Zuwanderer, unter ihnen überproportional viele Männer der Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren, in kurzer Zeit verändern werde. Hinzu komme der Islam, mit dem eine Religion als Politik importiert werde, die vom Rechtsstaat nicht viel halte. „Es läuft ein Großexperiment in diesem Land, ohne dass diejenigen, die daran teilnehmen müssen, gefragt werden”, meinte Tellkamp.
In den öffentlichen Debatten registriert Uwe Tellkamp einen linksliberalen Mainstream, der auf abweichende Meinungen in herablassender Weise reagiert. „Das spüren die Leute und wehren sich dagegen.” Bürgern, die nichts weiter als Kritik übten, würden in die rassistische, rechtsextreme Ecke gedrängt. Er hält die Verrohung im Umgangston für die Folge davon.
Unmittelbar darauf distanzierte sich Suhrkamp, nicht nur Tellkamps Verleger, sondern auch einer der wichtigsten intellektuellen Verlage und Wegbereiter der 68er, auf Twitter von seinem Autor: „Aus gegebenem Anlass: Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln.“
Uwe Tellkamp hat ja hier kein „rechtes” Coming-Out, er war immerhin unbeschadet einer der Unterzeichner einer „Charta 2017“ der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen, die in einem offenen Brief an den Börsenverein den Umgang mit „andersdenkenden Verlagen“ auf der Frankfurter Buchmesse kritisiert hatte. Auch Autorin Cora Stephan hatte die Charta unterzeichnet, ohne dass ihr Verlag Kiepenheuer & Witsch sich deshalb veranlasst sah, sich von ihr in irgendeiner Weise zu distanzieren.
Dabei ist auch das renommierte Frankfurter Verlagshaus nicht einmal kritisiert worden! Vielmehr geht es hierbei um die Beibehaltung der Deutungshoheit, besonders vor dem Hintergrund der Leipziger Buchmesse, die am vergangenen Wochenende stattfand.
Hierbei wurden schon im Vorhinein gewalttätige Proteste der linksextremen Antifa angekündigt, es gründete sich die Initiative „Verlage gegen Rechts“ und zahlreiche Podiumsdiskussionen mit linksintellektuellen Gutmenschen, saturierten Pfeffersäcken wie Ijoma Mangold bishin zu offen linksextremen Agitatoren wie Andreas Speit wurden abgehalten, einzig, weil das regimekritische Compact-Magazin und der rechtsintellektuelle Verlag Antaios ebenfalls ihre Stände auf der Buchmesse präsentierten. Abgedrängt in die zugige, rechts hinten in der Halle gelegene Ecke (allein die Platzvergabe zeugt von äußerster Primitivität der Messeleitung) erfreute sich Antaios dennoch erheblichen Zuspruchs.
Die hilfeschreiende Initiative linker Verleger karikierte Antaios-Chef Götz Kubitschek augenzwinkernd mit „Versager gegen Rechts“ und griff dabei auch den offensichtlichen Gesinnungskorridor auf, in dem sich der Literaturbetrieb zu bewegen habe.
„Wenn ein Branchen-Dachverband wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Buchhandlungen und Verlage vereint, darüber befindet, was als Meinung innerhalb des Gesinnungskorridors akzeptiert wird und was nicht, dann ist unsere Gesellschaft nicht mehr weit von einer Gesinnungsdiktatur entfernt“, kritisierte auch der betroffene Schriftsteller Uwe Tellkamp bezüglich der aufkeimenden und äußerst artifiziell geführten Debatte, ob rechte Verlage auf einer Buchmesse überhaupt zugegen sein dürften.
Auch Kubitschek kritisierte, es würden Dutzende Podien über die Rechten durchgeführt, aber kein einziges mit ihnen. Begrifflichkeiten wie Dialog und Diskurs sind damit nichts weiter als leere Worthülsen, zu denen die schwindende Linke ohnehin weder fähig noch willens ist.
Stattdessen funktioniert die Strategie der gesellschaftlichen Stigmatisierung, sodass mit „den Rechten“ ohnehin aus moralischen Gründen gar nicht erst geredet werden darf. Denn: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.
Zumindest aber die Schriftstellerin Monika Maron wagte in gewohnt ausgewogener Manier sanfte, aber deutliche Kritik: Auf Tellkamps Vorwurf einer linken Gesinnungsdiktatur entgegnete Maron, wer in Deutschland offen seine Meinung sage, dem drohe „eine kleinere oder größere Ächtung“. „Das haben die Leute oft genug erlebt. Und das erleben sie jetzt bei Uwe Tellkamp“, so die Autorin.

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[Text: A. S.; Bild: Smalltown Boy/Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported]