Wir erinnern uns noch gut an die Antrittstage der amtierenden Bundesregierung. Ringsum im etablierten Mediensystem erhoben sich mahnende Stimmen gegen „Zensur“ und eine angebliche „Beeinträchtigung der Pressefreiheit“. Und dieselben Stimmen mahnten munter weiter, als etwa Norbert Steger zum Stiftungsrat des ORF gewählt, oder eine lockere, formlose Mail eines Ministeriumsbediensteten an die Öffentlichkeit gespült wurde.

Bis zum heutigen Tag allerdings haben sich alle Befürchtungen in Luft aufgelöst: Patricia Pawlicki unterstellt der FPÖ weiterhin „Hetze“ und Armin Wolf lanciert über seinen „Twitter“-Account nach wie vor parteipolitisch motivierte Botschaften. Von Zensur keine Spur.

Worum geht’s konkret? Zum Einen um die Suggestivfrage der ORF-Moderatorin und Gattin des „Kurier“-Herausgebers Helmut Brandstätter, Patricia Pawlicki, die in einem Fernseh-Interview mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) die Frage stellte: „Wie lange kann die ÖVP diese Art der Polemik, der Hetze mittragen als christliche Partei?“ FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky qualifizierte unverzüglich die Vorgehensweise der Moderatorin als „einseitig, tendenziös und inkompetent" und verwies sogleich auf die "mehrfache blamable Moderation von 'Runden Tischen‘": "So eine Person hat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts verloren."

Gewohnt gewiefter und geschickter ging Armin Wolf vor: Er platziert seine Meinung nicht direkt vor laufender Kamera, sondern auf seinem „privaten“ „Twitter“-Account, der rein gar nichts mit seiner öffentlichen Tätigkeit zu tun haben will. In Wahrheit ist Wolfs Account eine Auf- und Nachbereitungsanlage eines gewissen eingefleischten ZiB-Zielpublikums. Wolf twittert nämlich nicht nur fleißig und fast ausschließlich über die Themen seiner Sendungen und nie von wirklich „privaten“ Dingen wie etwa Familienausflügen oder Kegelvereinsbesuchen. Zudem stützt sich seine öffentliche Bekanntschaft und somit auch die Relevanz seines Accounts ausschließlich auf seine berufliche Tätigkeit.

Und auf diesem „privaten“ Account kommentierte er gewohnt öffentlichkeitswirksam eine Führerschein-Gesetzesverschärfung des FP-geführten Infrastrukturministeriums: „Es gibt offenbar kein Vorhaben, das ohne böse Ausländer auskommt. In diesem Fall ‚arabische Clans‘.“

Es gibt auch offenbar kein Tweet, das ohne böse FPÖ auskommt. In diesem Fall: Norbert Hofer.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Manfred Werner - Tsui; Lizenz: CC BY-SA 3.0]