In Berlin, der Stadt (und dem Bundesland), die zurzeit auch von den KPD- bzw. SED-Erben der Linkspartei regiert wird, eröffnete am 26. Januar 2018 die Ausstellung „Der Rote Gott – Stalin und die Deutschen“. Der Ort ist gut gewählt: die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Aus der Mongolei war eine fünf Meter hohe Bronzefigur des Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili – genannt Stalin – nach Berlin geschafft worden. Sie wird nun liegend – nicht aufrecht – den Besuchern präsentiert. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) tut so, als hätte seine Partei und deren Rechtsvorgänger mit Stalin nichts – oder fast gar nichts – zu tun. Bis zu Stalins Tod war aber der Personenkult um Stalin eine Art Staatsdoktrin der „DDR“ und diese wurde von der SED beherrscht. Der Ort war früher Gefängnis der sowjetischen Besatzungsmacht und anschließend des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi), dem zeitweilig auch Annetta Kahane als inoffizieller Mitarbeiter (IM) zuarbeitete. Das Interessanteste an der Ausstellung ist das, was sie nicht zeigt. Die Gemeinsamkeiten des Nationalsozialismus und des Kommunismus. Diese wurden seiner Zeit von dem eher linken Historiker Sebastian Haffner aufgezeigt.
Wenn Ausstellungsmacher Hubertus Knabe, der sonst als eine Art kultureller Staatsfeind Nummer 1 der Linken fungiert, Stalin heute mit Putin und Erdogan statt mit Hitler, Mussolini und Mao vergleicht, wie es Haffner tat, läuft er damit im Windschatten der Political Correctness: „Wenn man anguckt, wie sich Parteiund Staatsführer anderswo inszenieren lassen – denken wir an die Türkei, denken wir an Putin in Russland – dann ist das gar nicht so weit weg, was die Methodik betrifft.“ Gewiss sind die gezeigten Exponate von Interesse. Der Kurator Andreas Engwert bekundete, es sei für die sowjetischen Propagandisten nicht leicht gewesen, nach zwölf Jahren NS-Diktatur in der „DDR“ einen neuen Führerkult für Josef Stalin aufzubauen. Er schwätzt Unsinn. Haffner wies nach, dass gerade das Alltagsleben in der „DDR“ dem im „Dritten Reich“ ähnelte.
Gewiss wurden andere Reden gehalten und andere Lieder gesungen, aber das Marschieren, Kampieren, Basteln und Musizieren glich eben doch wie ein Ei dem anderen. Engwert: „Die Zielgruppe für den Stalinkult sind natürlich die jungen FDJler. Da ist wahrscheinlich eine ehrliche Begeisterung zu spüren“. Da allerdings hat er Recht. Aber es ging nahtlos weiter wie von 1933 bis 1945 – nur die Uniformen waren andere. Engwert erklärt: „Wir zeigen auch Propagandafilme, und da sehen sie die Massenveranstaltungen des Stalinismus. Das ist in Szene gesetzt natürlich, aber man ahnt bei dem ein oder anderen eine ehrliche Begeisterung fürden Menschen, der die ‚DDR‘ nun voranbringen kann, im Sinne des Kommunismus.“ Die Ausstellung zeigt Entwürfe für die gigantomanische Umgestaltung der Mitte Berlins. Hitlers Nachkriegspläne nach dem Endsieg waren ja ähnlich. Relativ bekannt sind die historischen Fotos, auf denen in Ungnade gefallene Genossen wegretuschiert wurden. An einer Wand im Hauptsaal sind Häftlingsfotografien mit Leuten zu sehen, die oftmals wie der liberale Jugendfunktionär Arno Esch in Moskau erschossen wurden.

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[Bild: U.S. Signal Corps photo]