„Mein Körper gehört mir!“, einer der Schlachtruf der Frauenbewegung der 60er und 70er. „Mein Körper gehört mir!“: In theaterpädagogischen Programmen werden Schüler der dritten und vierten Klasse Volksschule über sexuellen Missbrauch aufgeklärt. “Mein Köper gehört mir?“ Angesichts der scheußlichen Schandtaten der letzten Monate klingt das wie ein Affront gegenüber jeder Frau in Österreich.

Wir erinnern uns an die Lutschaffäre der frühen Neunziger, als der ÖVP-Abgeordnete Burgstaller der Grünen-Abgeordneten Stoisits empfahl „ das Mikrofon in den Mund zu nehmen und daran zu lutschen.“ Er nahm daraufhin seinen Hut. Baustellen entpuppten sich als zusätzlicher Hort der Erniedrigung für jede Frau. Erdreistete sich ein Arbeiter „anerkennend“ zu pfeifen, schlugen die Wellen der Empörung hoch.

25 Jahre später lauert nicht mehr der böse Nachbar im dunklen Park. Der Bekannte der Familie nähert sich nicht mehr unsittlich der Frau. Auch der Dämon der Autostopper scheint von der Bildfläche verschwunden. Der Täter von heute nimmt eine lange, beschwerliche und durchaus gefährliche Reise auf sich. Der gut ausgebildete und sehnlichst erwartete Wirtschaftsankurbler ist eifrig darum bemüht, dem Gastland seine Dienste anzubieten. Angesichts seines äußeren Erscheinungsbildes, technisches Equipment inbegriffen, schließt man auf einen Mann von Welt. Wären da nicht diese kriegsbedingten traumatischen Erlebnisse dort, die den Reisenden hier zu sehr unschönen Handlungen hinreißen lassen. In Österreich pocht man auf Verständnis für derart bedrängte Personen. Die Welle der Empörung schlägt um in eine Welle der grenzenlosen Hilfsbereitschaft und Ausklammern der beängstigenden Zustände.

Aber gehen wir mit gutem Beispiel voran! Zeigen wir unseren Gästen, dass auch wir uns gerne unbekannten Kulturen gegenüber öffnen. Adaptieren wir deren Strafenkatalog für sämtliche Verbrechen für unser System. Der Synergieeffekt könnte nicht besser sein: Dem Gast wird ein Stück seiner Heimat vermittelt, gleichzeitig wird das Syndrom bekämpft. Die Zeit für die Symptombekämpfung ist abgelaufen.

 

[Text: B. H.; Bild: West Midlands Police/flickr]