Der Rauswurf aus dem Nationalrat mag den meisten Delegierten bei der Landesversammlung der Wiener Grünen noch in den Knochen gesessen haben. Schließlich ist das katastrophale Abschneiden bei den Nationalratswahlen nicht zuletzt auf das Wiener Ergebnis zurückzuführen. Ebenso desaströs für die Wiener Grünen sind die Korruptionsvorwürfe und die eingebrachte Klage gegen Christoph Chorherr und seinen Verein. Auch hier ist Vassilakou involviert, nicht nur als Parteichefin, sondern auch, weil sie als Stadträtin für das Heumarktprojekt zuständig ist, das der Stadt das Prädikat Weltkulturerbe kosten wird. Und der Begünstigte des Hochhausbaus hat sich bekanntlich nicht lumpen lassen und Chorherrs Verein satte 100.000 Euro gespendet.

Diese katastrophalen Umstände hätten jedem Spitzenpolitiker einer anderen Partei unmittelbar den Rücktritt gebracht. Bei den „basisdemokratischen“ Grünen, die sich so gerne als „Sauberfraupartei“ darstellen, nicht. Vassilakou, die bei dem Heumarkthochhaus ihre eigenen Parteistatuten kalt lächelnd umgangen hat und die Mitgliederbefragung ignoriert hatte, bekam sogar mit 75 Prozent, also einer Dreiviertelmehrheit, das Vertrauen ausgesprochen. Die Gruppe um Hirschhauser hatte ihren Abwahlantrag zurückgezogen.

Die Liste Pilz und wohl auch die überwiegende Mehrheit der Wiener wird es freuen. Die Grünen haben den sichersten Weg eingeschlagen, um auch bei den Wiener Wahlen aus dem Landtag zu fliegen.

 

[Text: W. T.; Bild: Franz Johann Morgenbesser/flickr]