Unser Herr Bundeskanzler ist wirklich zu beneiden. Während andere Politiker ihre Anhänger mit der Lupe auf der Straße suchen müssen, hat Sebastian Kurz in der auflagenstärksten österreichischen Tageszeitung einen prominenten Fürsprecher gefunden, der ihm nahezu im Wochenrhythmus ein schwärmerisches Brieflein schickt: Michael Jeannee.

Die heutige Post allerdings hatte ausnahmsweise einen schalen Beigeschmack: Zwar an Kurz adressiert, thematisiert sie einen Vorfall, zu dem sich der Adressat bislang – völlig zu Recht – jeder Stimme enthalten hat: Die Causa „Juncker“. Jener Jean-Claude Juncker, der sich unlängst offensichtlich sturzbetrunken zu einem Nato-Gipfel einfand, hemmungslos die restlichen Teilnehmer niederknutschte und die Affäre nun auch noch mit der lakonischen Bemerkung „Auf euren Kleinkram lach ich“ abtat, indes er sich auf eine Ischias-Krankheit berief – vermutlich getreu seiner einst freimütig geäußerten Maxime „Wenn es ernst wird, muss man lügen."

Anstatt allerdings diesem hohen Herrn – wie man es von Jeannee und seiner Krone erwarten würde – gehörig die Leviten zu lesen, schießt er sich auf den FPÖ-EU-Parlamentarier Harald Vilimsky ein, der diese Farce beim Namen genannt und Juncker zum Rücktritt aufgefordert hatte. Und das, indem Jeannee „verbale Flatulenzen“ ortet und Vilimsky gar einen „Politrüpel“ nennt. Warum eigentlich? Weil er gesagt hatte, was ohnehin offensichtlich ist? 

Also, Herr Jeannee, bitte beim nächstes Mal wieder in bewährter Manier: Augen auf und Ohr ans Volk!

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/kremlin.ru; Lizenz: CC BY 4.0]