Der Verfasser dieser Zeilen war einigermaßen konsterniert. Laut der Definition im Studienhandbuch der österreichischen Hochschülerschaft handelt es sich beim Fach Völkerkunde oder wie es heute gerne genannt wird, Ethnologie, um die Lehre kultureller Prägungen außereuropäischer Völker. Wunderbar. Huntington lässt grüßen.
Nach den ersten Vorlesungen war nicht nur klar, dass die Zwangsgebühr für die ÖH, gelinde und kolloquial gesagt, für die Fisch ist, sondern auch, dass der Verfasser in zwei Semestern ein neues Nebenfach brauchen wird. Einziger Trost waren die ernüchternden sowie lehrreichen Einblicke in eine universitäre, linke Parallelwelt. Neunzig Prozent Kommolitoninnen hätten ein Trost sein können, hätten die Mädels nicht mittels Dreadlocks, exotischer Kleidung und medusahaften Blicken ihre Abscheu vor dem weißen Mann, der ja bekanntlich der Teufel und die Wurzel allen Übels auf der Welt ist, kundgetan. Glücklicherweise ist der Verfasser weder Sexist noch Rassist und reagierte mit mit der völligen Nichtbeachtung.
Das quantitativ ausgelastete Auditorium Maximum ließ einige Zweifel in mir aufkommen, ob die Damen nach dem Studium alle einen Arbeitsplatz fi nden werden.
Nun hat sich diese Frage von selbst beantwortet. Die 2015 überrannten Länder Deutschland und Österreich suchen händeringend nach Personal, welches in Fragen der interkulturell-sensiblen Kommunikation geschult ist. Da soll noch einer behaupten, die Migrationskrise wirkt sich negativ auf den Arbeitsmarkt aus.
Tja. Huntington lässt grüßen. Aber anders als ursprünglich gedacht. Nun spricht eine der neuerdings gefragten Expertinnen in deutschen Medien von einem „Kulturen-Clash“ im Zusammenhang mit dem irakischen Sexualmörder. Dies seien keine Einzelfälle mehr. Eine Million junger Männer aus patriachalisch-archaischen Gesellschaften, die keine gleichaltrige Partnerin fi nden werden. Tja. „Der weiße Mann ist der Teufel.“

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