Deutschlands Streitkräfte werden in immer mehr Auslandseinsätze entsandt. Gleichzeitig mangelt es aber nicht nur an Personal, auch das Material ist oftmals veraltet und schlecht instandgesetzt. Doch auch der politische Auftrag ist gekennzeichnet von Widerwilligkeit und peinlichen Fauxpas. Eine Studie zur deutschen Bündnisfähigkeit nimmt die Parlamentsarmee in harsche Kritik.

Gerade einmal die Hälfte der Flugzeuge ist einsatzfähig, weniger als ein Drittel der Hubschrauber kann überhaupt abheben und die Marine leidet unter dermaßen argen Personalmangel, dass die Schiffe mit verkleinerter Besatzung auslaufen oder sich Soldaten von Nachbareinheiten ausleihen müssen.

Der Brüsseler Thinktank „Friends of Europe“ hat in einer Studie unter der Führung des britischen Journalisten Paul Taylor die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr als Bündnispartner unter die Lupe genommen und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis. Die Bundesrepublik sei demnach ein zögerlicher Partner, der „aus geschichtlichen Gründen in Sachen Verteidigung immer noch nicht so stark auftritt, wie er könnte.“ Dabei wird vor allem das kritisiert, was der Bundestag als Errungenschaft sieht, nämlich die endlosen Einschränkungen des Grundgesetzes, die einen Einsatz der Bundeswehr grundsätzlich und überall erschweren. Diese mögen nach dem Zweiten Weltkrieg als sinnvoll erachtet worden sein, stellen für die strategische Kultur und das militärische Engagement Deutschlands aber eklatante Hindernisse dar.

Als weiteren Kritikpunkt benennt die Studie die chronische Verweigerungshaltung der Bundesrepublik, die sich mehrheitlich auf Krisenprävention, politische Verhandlungen oder Nachkriegsstabilisierung beschränkt. Zahlreiche militärische Partner beschweren sich daher regelrecht, dass Deutschland ihnen die Drecksarbeit übriglasse und sich selbst nur die Rosinen herauspicke. Das wiederum passt gut zum vermittelten Bild der Bundeswehr als Technisches Hilfswerk in Uniform, das bloß alles Soldatische verleugnet. Das kaputtgesparte und systematisch gesellschaftlich ausgegrenzte Militär ist somit strategisch de facto handlungsunfähig.

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[Bild: D. Myles Cullen/defense.gov]