Es gehört in Deutschland zur politischen Folklore, dass sogenannte Menschenrechtsorganisationen laut aufschreien, wenn Asylmissbraucher aus Afghanistan per Flugzeug in ihre Heimat zurückgebracht werden. So geschah es auch am Dienstagabend, als vom Flughafen München eine Maschine mit 14 Afghanen an Bord in Richtung Kabul abhob. Laut bayerischem Innenministerium sind sechs der Abgeschobenen Straftäter, die unter anderem wegen Rauschgiftbesitz und Körperverletzung rechtskräftig verurteilt wurden. Drei Männer wurden abgeschoben, weil sie sich geweigert hatten, ihre Identität preiszugeben, und ein anderer Mann ist ein sogenannter Gefährder, also ein potenzieller Terrorist.

Auch wenn die Abschiebungen nach Afghanistan, weil dort angeblich eine gefährliche Sicherheitslage herrscht, medial für großes Aufsehen sorgen, so handelt es sich im Grunde genommen um eine Farce. Denn der Großteil der ausreisepflichtigen Personen hält sich bis auf Weiteres in der Bundesrepublik auf, und die Herstellung des rechtskonformen Zustands lässt somit auf sich warten. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks sind „momentan 13.000 Afghanen ausreisepflichtig“.

Tatsächlich abgeschoben werden jedoch nur die allerwenigsten. So fanden seit Dezember 2016 gerade einmal zehn Sammelabschiebungen nach Afghanistan statt, bei denen insgesamt 174 Personen ins Land am Hindukusch geflogen wurden. Und der Charterflieger, der Dienstagabend vom Münchner Flughafen abhob, hätte eigentlich besser gefüllt sein sollen. Laut Bayerischem Rundfunk war ursprünglich vorgesehen, 58 afghanische Asylmissbraucher in ihr Heimatland zu fliegen.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Mark Winterbourne; Lizenz: CC BY 2.0]