Die Tränen sind noch nicht getrocknet. Der Schock ist noch nicht verdaut. Die DFB-Elf ist an einem Tiefpunkt angelangt. Nun kommt der nächste Schlag in die Magengrube für den vielgeprüften deutschen Michel. „Die Luftwaffe befindet sich an einem Tiefpunkt“, erklärte ihr neuer Chef, Generalleutnant Ingo Gerhartz.

Und im Unterschied zur DFB-Elf liegt es am Geld und nicht an der Moral. Derzeit erleben die Soldaten im Ausland eine andere Bundeswehr als in der Heimat, so der Generalinspekteur der Luftwaffe. Während für Auslandseinsätze zusammengekratzt wird, was man zusammenkratzen kann, herrscht bei der Heimatverteidigung Mangelwirtschaft. Nun könnte man argumentieren, dass die Soldaten so das Improvisationstalent erwerben, jedoch ist Europa keine Insel der Seligen mehr. Der russische Bär hat nur vor einem Respekt: Stärke.

Gemäß Planung sollte die Wartung eines Kampfflugzeuges nach 400 Flugstunden lediglich sieben Monate in Anspruch nehmen. Aktuell sind es aber 14 Monate. Hier nimmt Gerhartz die Rüstungsindustrie in die Pflicht.

Der Mangel an Ersatzteilen sowie Munition führt dazu, dass von 128 Eurofightern 39 einsatzbereit sind, von 93 Tornados 26 und von 72 CH-53 Hubschraubern 16. Bei derartig geringen Klarständen leiden sowohl die Ausbildung als auch die Moral. Letztere ist gemäß Gerhartz noch einwandfrei. Aber wie lange noch? Schließlich erklärte Napoleon, dass die richtige Moral die Kampfkraft verdreifacht. Ebenso verhält es sich bei einem Mangel an Moral.

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia/Steppenmo; Lizenz: GNU Free Documentation License 1.2]