Die eigenwilligen und skurrilen Äußerungen von Donald Trump, wonach die Bundesrepublik Deutschland von den USA beschützt werden müsste, aber Berlin Milliarden an Moskau bezahle, beweisen einmal mehr, dass der deutschstämmige US-Präsident historisch und geopolitisch wenig Ahnung hat. Auch vergisst er, dass die US-Soldaten in Deutschland die Reste einer Besatzungsmacht sind und keineswegs eine selbstlose Schutztruppe. Der Abzug der US-Soldaten aus der Bundesrepublik wäre somit ein weiterer Schritt zur deutschen Souveränität.

Trumps Drohung, die NATO werde nicht mehr für einen Schutz Europas sorgen, könnte innerhalb des westlichen Verteidigungsbündnisses zu einer Europäisierung führen. Bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts schien sich eine Europäisierung der NATO anzudeuten, jedoch wurde der Nordatlantikpakt rasch wieder unter die absolute US-Dominanz gestellt.

Nun aber, unter US-Präsident Trump, könnte die Chance für eine außen- und sicherheitspolitische Emanzipation der EU von den USA entstehen. Eine eigenständige gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU, die diesen Namen auch verdient, dürfte aber keineswegs in Frontstellung zu Russland stehen. Angesagt wäre stattdessen eine Äquidistanz von Washington und Moskau gleichermaßen.

[Text: A.M.; Bild: Wikipedia.org/U.S. Department of State from United States; Lizenz: Public Domain]