Das Jahr 1918 war ein merk-würdiges Jahr. Ein Weltuntergangsjahr – die Habsburgermonarchie zerbrach und damit eine vielhundertjährige Einheit im Donauraum.
Das Deutsche Reich wurde zwar eine Republik, aber keine funktionierende Demokratie und aus dem riesigen Zarenreich Russland wurde die mächtigste und längstlebige kommunistische Diktatur – nicht nur in Europa.
In diesem Jahr 1918 starben die Maler Gustav Klimt und Egon Schiele, der Architekt Otto Wagner, der Komponist Claude Debussy und der Dichter und Journalist Peter Rosegger.
Geboren am 31. Juli 1843 auf dem Unteren Kluppeneggerhof auf dem 1200 m hohen Alpl, einer Waldlandschaft, die damals nur zu Fuß erreicht werden konnte. Nach Krieglach im Mürztal ging man auf schmalen Pfaden ungefähr drei Stunden.
Da der Knabe nicht sehr widerstandsfähig zu sein schien, trugen ihn die Eltern schon am nächsten Tag nach Krieglach, um ihn taufen zu lassen. Im Kalender stand „Petri Kettenfeier“, weswegen der Bub kurzerhand diesen Namen erhielt. Niemand konnte damals ahnen, dass aus dem schwächlichen Kind der Kluppeneggerbauern der bedeutendste steirische Volksdichter werden würde.
Schon bald wurde das Kind zur Mithilfe am Hof herangezogen und musste wohl auch auf seine jüngeren Geschwister aufpassen, denen er Geschichten erzählte, die er von der Großmutter gehört hatte oder er sang ihnen Lieder vor, die ihn die Mutter gelehrt hatte, denn die Mutter Rosegger war für ihre Sangeskunst weithin bekannt und beliebt. Regelmäßigen Schulunterricht hat Rosegger kaum genossen, denn auf dem Alpl gab es keine Schule, der Weg zur nächsten Schule war weit und überdies wurde der Bub immer öfter zur Mithilfe am Hof benötigt. Von einem Wanderlehrer erhielt der junge Rosegger seine frühe Ausbildung. Dieser Mangel an Bildungsmöglichkeiten war einer der Hauptgründe, warum Rosegger später seine berühmte Waldschule gründete, die 1902 ihren Betrieb aufnahm und immerhin bis 1975 (!) bestand. Da der Sohn kein besonders kräftiger junger Mann war, entschlossen sich die Eltern, ihn Schneider werden zu lassen. Eine vernünftige Entscheidung, wenngleich sich viele wunderten, dass der erstgeborene Sohn eines wohlhabenden Bauern nicht den Hof übernahm.
Noch während seiner Lehrzeit hatte Peter Rosegger mehrere Hefte Volkslieder gesammelt und dem Komponisten Jakob Schmölzer gesandt und auf diese Weise nur mündlich überlieferte Texte vor dem Vergessen bewahrt. Etwa zur selben Zeit schickte Rosegger eigene Gedichte an den Chefredakteur Svoboda der „Tagespost“. Dieser veröffentlichte im Dezember 1864 einen Artikel in der „Tagespost“, in dem er auf den jungen Dichter aufmerksam machte. Durch seine Vermittlung lernte Rosegger den Bierbaron Johann von Reininghaus kennen, der sein Förderer wurde.
Nach mancherlei Schwierigkeiten durfte Rosegger ab Ostern 1865 endlich die Handelsakademie in Graz besuchen, wo er fleißig seine Bildung vervollkommnete und auch eifrig die Theater besuchte. Im Winter 1868 lernte er Robert Hamerling kennen, der für seinen ersten Gedichtband „Zither und Hackbrett“ das Vorwort schrieb. Bald folgten weitere Lyrikbände und dann begann Rosegger auch schon, Prosawerke zu verfassen.
Heimgekehrt von einer sechswöchigen Deutschlandreise fand er einen Brief des Verlegers Hekkenast vor, der ihn aufforderte, für ihn ein Buch zu schreiben. Damit begann Roseggers Laufbahn als freier Schriftsteller. Gleichzeitig hatte er schwere Schicksalsschläge zu verkraften. 1872 starb die geliebte Mutter und nur drei Jahre später starb auch seine Frau Anna nur wenige Tage nach der Geburt des zweiten Kindes. Er rettete sich in die heiteren Erinnerungen an seine Jugend und setzte seiner „Waldheimat“ ein unvergängliches Denkmal...

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[Foto: Gemeinfrei]