Im August letzten Jahres erschien in „Zur Zeit“ Nr. 35 ein Beitrag mit demselben Titel, dem zu entnehmen war, daß die US-Regierung mit aller Schärfe gegen das „Ernten“ und den Verkauf bestellter Körperteile von ungeborenen Babies vorgehen wolle. Doch nur wenige Monate später veröffentlichte das amerikanische „Center for Medical Progress“ mehrere Videofilme, die von verdeckten Ermittlern bei der PPFA „Planned Parenthood Federation of America“ (Amerikanische Vereinigung für geplante Elternschaft) aufgenommen wurden – dem größten Lieferanten von Organen, frischer Haut, Körperteilen von ungeborenen Babies (Föten), die bei „partial birth“ (Teilgeburt-Abtreibung) im Leib ihrer Mütter zurechtgeschnitten und „geerntet“ werden.

Die Empörung war landesweit gewaltig: Die Zahl an Abtreibungen bedeute ein Genozid unvorstellbaren Ausmaßes. Bevölkerungsstatistiker wiesen darauf hin, daß seit 1973 an die 58 Millionen ungeborene Amerikaner im Unterleib ihrer Mütter getötet wurden. Dies entspräche der Bevölkerungszahl von Texas, Iowa, Arkansas, Oklahoma, Nebraska, North und South Dakota, Oregon, Minnesota und Kansas.

Dem Gouverneur und dem Oberstaatsanwalt von Texas blieb keine andere Wahl, als in Houston den Prozeß zu eröffnen, doch am 25. Jänner entschieden die Geschworenen der „Grand Jury“, nicht etwa die Verkäufer von „geshredderten“ (zerschnippelten) Teilen noch lebender Babies anzuklagen, sondern die zwei „whistle blowers“ (verdeckte Ermittler) David Daleiden und Sandra Merritt, die 30 Monate lang den Ablauf des Geschäfts mit Babyteilen auf Videofilm festgehalten, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ferner aufgedeckt hatten, daß die Kosmetik- und die Lebensmittelindustrie Hauptabnehmer und Nutzer solcher Babyware „en gros et en détail“ waren, ja sogar die University of Texas Babyteile – angeblich zu „Studienzwecken“ – regelmäßig bestellte. Im Falle ihrer Verurteilung blühen den beiden Aufdeckern 20 Jahre Haft!

Inzwischen haben mehr als hunderttausend US-Bürgerinnen und Bürger eine Petition zur Freilassung von Daleiden und Merritt unterschrieben, doch sind die Argumente der „Abortionists“ (Abtreiber) und „baby-shredders“ (Baby-Zerstückler) weitaus überzeugender als jene ihrer Gegner, denn sie werden bar bezahlt.

 

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[Bild: Bene16/wikimedia.org]