In Zeiten wie diesen ist es schwer, Angela Merkels Willkommenskultur positiv zu verstehen. Es sei denn, dass sie eben als deutsche Politikerin die Nazikeule der Internationale gefürchtet hat. Wir auch? Eher passt die Polemik bei uns nur gut in die pedantisch gepflegte politische Korrektheit, also in die untere Schublade. Als Bürger mit angeblich garantierter Meinungsfreiheit bin ich an dieses niedrige Niveau nicht gebunden. Folgen Sie mir in den ersten Stock, wo in frischerer Luft Klartext auf höherem Intelligenzniveau, geradezu wissenschaftlich, gesprochen werden kann.

Voraussetzung ist, dass man den wissenschaftlichen Fortschritt auch auf dem Gebiet der Biologie, der Vererbungslehre, anerkennt. Strapaziert man im Zuge der heutigen Völkerwanderungen noch immer das leidige Schlagwort „Integration“ bis zum Erbrechen, negiert man vor allem zwei ganz entscheidende Aspekte. Zum einen fehlt es den Fremden an einer biologisch entscheidenden Generationenreihe in der neuen Umgebung, an der familiären Verwurzelung in jener Erde, die man für gewöhnlich Heimat nennt. Es fehlen die eingewurzelten Erfahrungen einer über mehrere Jahrhunderte gewachsenen Schicksalsgemeinschaft, familiäre Überlieferungen, die auch länger zurückliegende Ereignisse in der Familie gespeichert haben.

Und damit sind wir beim zweiten Punkt. Hapert es schon in unserer Spiel-und Spaßgesellschaft an den erforderlichen Mindestkenntnissen unserer Geschichte, was eine sinnvolle Einschätzung unserer Zukunftsaussichten wesentlich erschwert, fehlten diese bei den Zuwanderern verständlicher Weise ganz. Wenn ein deutscher Journalist unlängst zu fragen wagte, wie etwa türkischen „Neudeutschen“ beigebracht werden könnte, dass sie sich auch für den Holocaust schuldig fühlten, ist diese Frage wohl eins zu eins auf unsere Geschichte zwischen dem „Völkerkerker“ der Monarchie und den „Friedensverträgen“ nach den beiden Weltkriegen umzulegen.

 

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[Bild: Joachim Seidler/wikimedia.org]