Aus seinen Wahlkampfsprüchen und ersten Ernennungen kann man in Umrissen ein ziemlich klares Bild der künftigen Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten machen. Es wird eine Mischung von Ronald Reagans Reflationierungspolitik – Einkommens- und Unternehmenssteuerkürzungen verbunden mit defizitfinanzierten Infrastrukturprogrammen – und Marine Le Pens Importprotektion werden. Reagan hatte mit seinem Programm, das die Inflation anheizte und die Zinsen in lichte Höhen führte, 1980–87 die US-Wirtschaft gewaltig angekurbelt. Danach kam mit einem Börseneinbruch der überhöhten Aktienkurse freilich die Ernüchterung. Nebenbei drückte er mit seiner Hochrüstung das Sowjetreich an die Wand, ohne dass ein Schuss abgefeuert werden musste.

Jetzt will Trump laut seinem Chefberater Steve Bannon ein 1.000 Milliarden-Dollar-Programm zur Sanierung der verrottenden öffentlichen Infrastruktur auflegen und alle Hindernisse zur Ausbeutung von Erd- und Schieferöl beseitigen. Ziel ist laut Finanzminister Steven Mnuchin (der ebenfalls aus dem Haus Goldman Sachs stammt): die Kürzung der Unternehmenssteuern von 35 Prozent auf 15 Prozent, die Reduktion der Einkommensteuern und eine Vereinfachung des Steuerrechts. In Summe soll die US-Wirtschaft damit um drei bis vier Prozent (statt bisher zwei Prozent) wachsen, denn Steuern und Überreglementierung hätten sie bislang behindert. Dann sollen in einer neuen industriellen Revolution gut bezahlte Industriearbeitsplätze zurück in die USA verlagert und die Vollbeschäftigung erreicht werden.

Der zuständige Handelsminister ist der „König der Konkurse“, der Milliardär Wilbur Ross (79). Er hat sein Vermögen gemacht, in dem er vom Preisdruck der Niedriglohnländer bankrottierte Industrien-, wie Kohlegruben, Stahlhütten, Textilwebereien und Kfz-Teilefertiger billig aufkaufte, sanierte und nach der Rettung tausender Arbeitsplätze teuer verkaufte. Durch hohe Importzölle und Aufkündigung aller Freihandelsabkommen sollen laut ihm die Fabriken zurückkehren.

Das entspricht auch den Ideen des Front National. Auch Le Pen träumt von einem Frankreich der 60er Jahre, als die Welt noch in Ordnung und Frankreich mit seinen Kolonien noch weitgehend autark war. Alle verzehrten französischen Käse und Wein und fuhren Citroëns und Peugeots, die zu 100 Prozent aus französischen Teilen bestanden. Hohe Zollgrenzen und der Austritt aus der EU sollen diese Idylle wiederherstellen. Der Sozialist Mitterrand hatte 1981 vorgeführt, was passiert, wenn ein mittlerweile international verflochtenes Land allein reflationiert: Es saugte in erster Linie
Importe an, vor allem aus Deutschland.

So will Trump schnell handeln, bevor seine Infrastrukturprogramme mittelfristig Wirkung zeigen. Als Sofortmaßnahmen wurden die Verhandlungen um das Transpazifische Freihandelsabkommen storniert, an dem zwölf Pazifikanrainer, darunter Japan, Australien, Vietnam, Kanada, Chile und Peru beteiligt sind. Das transatlantische TTIP ist wahrscheinlich ähnlich mausetot (und seine Gegner hierzulande, die sich wegen Chlorhühnern und Schiedsgerichten aufregten, sind sehr still geworden). Und sofort das seit 20 Jahren bestehende Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada aufkündigen. Weil Trump auf seine Verhandlungskünste sehr stolz ist, wird er zuerst mit Maximalforderungen kommen und dann erst mit Zöllen zuschlagen.

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[Bild: Sean Spicer, White House Press Secretary/wikimedia.org]