DDr. Michael Tojner ist reich. Steinreich. Nicht unbedingt an Geschmack, dafür aber an Geld. Zwar liegt er mit einem bescheidenen Vermögen von geschätzten 1.150 Milliarden Euro auf der „trend“-Liste der wohlhabendsten Österreicher nur auf Platz 37, aber immerhin!

Adel verpflichtet, Reichtum bekanntlich nicht. Leider. Daher fühlt sich Herr Tojner wohl weniger dem Erhalt der historischen Substanz des Wiener Stadtbildes verpflichtet als vielmehr seinem Kontoauszug.

Wie sonst ließe es sich erklären, dass er den jahrhundertealten „Canaletto-Blick“ vom schönen Schloss Belvedere auf die Wiener Innenstadt gleichgültig einem riesigen Betonklotz opfert? Dass er dem gotischen Stephansturm einen stucklosen Heumarkt-Quader entgegensetzt? Dass er einen sagenhaften Immo-Deal mit der Stadt Wien bezüglich des Verkaufs von 3.000 Sozialwohnungen zum sagenhaften Preis von 2.000 Euro pro Wohnung abschließen wollte, dessen Genehmigung nunmehr nach Druck der FPÖ und mehrerer Gutachter zurückgezogen werden musste?

Dennoch: Michael Tojner trifft dabei eigentlich keine Schuld. Darf man denn von einem Investor, der sein halbes Leben damit zubrachte, Geld zu scheffeln, ein erlesenes Auge erwarten? Nicht unbedingt!

Von einer Stadtregierung allerdings, die sich großmundig dem Erhalt des historischen Erbes des Jahrhundertwende – Wien verschrieben hatte, darf allerdings erwartet werden, dass sie einem Investor, wenn er mit einem neuen Portfolio, das eine Abzocke des Wiener Steuerzahlers darstellt, an sie herantritt, das sagt, was zu sagen wäre – nämlich: „Raus!“

Warum aber sagen sie’s nicht, die Roten und die Grünen der Stadt Wien?

Vielleicht deshalb nicht, weil Michael Tojner andernfalls dem grünen Wiener Planungsstadtrat und stellvertretenden Vorsitzenden im Wohnbauausschuss Christoph Chorherr – wie der „Kurier“ 2017 aufdeckte – keine Spenden mehr für sein Afrika-Projekt zukommen lassen könnte?

Oder weil Alexander Van der Bellen mit einer nicht unbeträchtlichen Mitgift der Frau des freigiebigen Herrn Tojner in die Hofburg einziehen durfte? Oder vielleicht weil schon relativ bald die Freizügigkeit Tojners bei der kommenden Wien-Wahl erwartet wird?

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/ChristosV; Lizenz: CC BY-SA 3.0]