Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben die Städte europaweit ihre Sicherheitskonzepte überdenken müssen. Betonpoller und Kleinlaster, Sandsäcke und Stahlseile, Wassertanks und Metallstelen sollen die Weihnachtsmärkte vor Terroranschlägen schützen – eine massenpsychologische Konditionierung.

Fast überall werden mehr Polizisten unterwegs sein: gut sichtbar mit Maschinenpistole, aber auch in Zivil. Einige Städte wie Frankfurt am Main, Dresden und Kiel richten Polizeiwachen auf dem Weihnachtsmarkt ein.

Seitdem unsere „Volksvertreter” wiederholt androhten, Deutschland werde sich verändern und mit dem Kampfruf „wir schaffen das” bekräftigten, hat sich unsere Bananenrepublik binnen weniger Monate bereits tatsächlich stark gewandelt. Wer sich heute irgendwo in die Öffentlichkeit begibt, muss inzwischen jederzeit mit umfassender „Bereicherung” rechnen, seien es Diebstähle, Überfälle, Vergewaltigungen, Messerangriffe oder Fahrzeug-Attentate.

Manche Städte verschönern die klotzigen Absperrungen: Bochum verpackt sie wie Weihnachtsgeschenke, mit bunter Folie und roten Schleifen. In Augsburg werden die Kleinlaster der Händler als Terrorsperren geparkt – und dekoriert. München setzt unter anderem Pflanzkübel als Sicherheitssperren ein – mit zur Jahreszeit passendem Immergrün.

Videoüberwachung und Lautsprecheranlagen sowie vereinzelte Taschenkontrollen sollen auch Millionen Menschen ein unbeschwertes Vergnügen bei Glühwein und Lebkuchen
ermöglichen.

München, Nürnberg, Augsburg und Trier haben zudem stichprobenartige Kontrollen von Taschen, Rucksack und Gepäck angekündigt. Videokameras sind zumindest in Städten wie Frankfurt, Potsdam, Kiel, Oldenburg und Trier im Einsatz. Lautsprecheranlagen gibt es unter anderem in Frankfurt, München und Nürnberg. Der Dresdner Striezelmarkt hat ein eigenes Wlan-Netz für die
Kommunikation im Notfall.

Die meisten Menschen lassen sich von der abstrakten Gefahr eines Terroranschlags nicht schrecken. Fast drei Viertel der Erwachsenen geben in einer repräsentativen Studie des Instituts für Meinungsforschung YouGov an, mindestens einen Weihnachtsmarkt besuchen zu wollen. Allgegenwärtig ist nunmehr der Anblick von sogenannten Merkelpollern, die „psychisch labile Fahranfänger“ daran hindern sollen, weitere „Zwischen-fälle mit einem Auto“ zu fabrizieren.

 

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[Bild: Twitter/merkelpoller]