Entweder will seinen gesellschaftskritischen Prolo-Pop der linken Glockenhosen-Jahre keiner mehr hören oder ihm ist einfach fad – wahrscheinlich sogar beides. Jedenfalls fühlte sich Wolfgang Ambros kürzlich bemüßigt, in einem deutschen Medium Auskunft über seine Meinung zur Bundesregierung zu geben. Das wär allerdings angesichts des internationalen Erfolgs seines Pop-Gejohles nicht die erste Blöße, die er uns im Ausland beschert.

Jedenfalls schüttete er in der „Süddeutschen Zeitung“ sein Herz aus und machte die Leser mit seiner neue Hassballade gegen FPÖ und Regierung vertraut: Die Sozialministerin sei „irrsinnig“ und Strache glaube er „kein Wort“, denn in der FPÖ gäbe es „viele braune Haufen“. Kurz mache „immer das Richtige, weil er inhaltlich nix sagt“, „jung, fesch und geschmeidig“ ist und Strache und „seiner rechtsradikalen Truppe einfach alles durchgehen lässt“. Wie dumm doch die Österreicher sein müssen, eine solche Verbrecherbande in die Regierung zu wählen.

Zur endgültigen Groteske verkommt der boulevardeske Kaffeeplausch schlussendlich im letzten Teil des Interviews. Dort prophezeit er zunächst die Rückkehr jenes „FPÖ-Burschenschaftes, der mit dem Nazi-Liederbuch zu hatte“. Stellt sich nur die Frage, wen er wohl meint. Udo Landbauer gewiss nicht – sofern ihm „Unschuldsvermutung“ ein Begriff und „Vorverurteilung“ ein Gräuel sein sollte. Aber mit Justiz und Rechtsstaat hatte es die Nachkriegsgeneration sowieso nicht wirklich: zu viel Ordnung und Autorität.

Dann weiter: „Weil die Regierung die ganze Zeit nur über Ausländer redet, fällt vielen Österreichern gar nicht auf, wohin die Reise geht.“ Wie gut nur, dass die armen, unbeholfenen Österreicher ihr „Wolferl“ haben, das ihnen zeigt, wo’s lang geht – sofern es nicht in seinem Luxusdomizil im schönen Tirol sitzt, während anderswo Terrorbomben in die Luft gehen und Einheimische vergewaltigt werden.

Es folgt eine Hymne auf das schöne Land Tirol, wo es „zum Beispiel drei syrische Familien“ gibt, „die sehr gut integriert sind“. Beeindruckend, wie die Tiroler mit dieser erdrückenden Last umgehen! Wenn die Wiener und die Kölner ihre „drei Syrer“ auch noch so gut integrieren würden wie die Tiroler, wär alles in Butter! So einfach läuft der Hase – man muss nur wollen!

Das Beste aber kommt bekanntlich zum Schluss, im letzten Satz, der’s in sich hat: „Meine achtjährige Tochter hat sich inzwischen mit einer jungen Syrerin angefreundet.“ Na endlich eine Neuigkeit von internationaler Tragweite! Da werden aber die Abos und Auflagen der „Süddeutschen“ in den Himmel wachsen, wenn die Leser so brandneue, hochwichtige Informationen direkt aus erster Hand erfahren dürfen! 

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/Ailura; Lizenz: CC BY-SA 3.0 AT]