Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Aber wohin fallen, wenn man schon zur Erde liegt bzw. den Vorsitz der SPÖ innehat? Eine Frage jedenfalls, die sich Noch-Obmann Christian Kern langsam stellen sollte, der seine letzten sieben Genossen kürzlich in einem Interview, wissen ließ: „Die FPÖ ist besessen von mir. In FPÖ-Medien (…) komme ich öfter vor als Strache.“ Und um dem armen Pizzalieferanten nicht von Neuem die Blöße zu geben, versuchen wir seiner Illusion hiermit so weit als möglich gerecht zu werden. Ein paar Schlagzeilen vor dem endgültigen Abgang – gibt’s tröstlicheres?

Grundsätzlich wäre die Kernsche Hybris ja nicht allzu verkehrt: Vom „Briefträger“ Kostelkas zum Nachfolger unseres gescheiterten Taxi-Chauffeurs und SJ-Veteranen im Bundeskanzleramt – Hut ab, schafft nicht jeder. Wirklich bewundernswert wäre dieser kometenhafte Aufstieg innerhalb von nur knapp 20 Jahren allerdings höchstens ohne Parteibuch. Aber wir reden schließlich von der SPÖ…

Auf den ersten Blick scheint Kern im Interview zunächst selbstkritisch auf seine unrühmliche Rolle im Zuge der Asyl-Invasion zurückzublicken: "Man marschiert dort ein, setzt sich über alle Regeln hinweg und desavouiert eine wichtige Institution, die für Sicherheit sorgt." Doch weit gefehlt – er bezog sein Resümee leider nur aufs BVT. Also doch nix dazugelernt – schade.

Nächster erhellender Kritikpunkt: "Es wird ja von manchen auch ganz bewusst von Systemparteien oder Systemmedien geredet. Wir wissen, wo das historisch herkommt." Richtig, Genosse Kern, wissen wir. Aus dem jahrzehntelangen Parteienfilz und Proporz der SPÖ.

"Ich stelle die FPÖ sicher nicht unter Naziverdacht, aber wir haben alle die Lektionen der Geschichte gelernt.“ – Logisch, sehr logisch. „Sicher nicht“, „aber“ dann halt doch. Ich stelle auch Christian Kern sicher nicht unter „Schlepperverdacht“, aber wir haben doch alle die Lektionen unserer Geschichte gelernt.

Nächster Satz, nächster Lichtblick: Kurz und Salvini interessiere die „Genfer Flüchtlingskonvention nicht“. Der einzige, den die Genfer Flüchtlingskonvention nicht interessiert, sind Sie, Herr Kern! Oder zeigen Sie uns den Artikel, der gemäß Genfer Konvention Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen Asyl gewährt? Die Genfer Konvention begrenzt sich auf rassische, religiöse, ethnische Verfolgung. Keine Rede von Krieg, keine Rede von finanzieller „Notlage“. Wer also missbraucht die Genfer Konvention für parteipolitische Zwecke?!

Und auch den sorglosen Umgang mit „Repräsentanten der Union“ beklagt unser obrigkeitshöriger Genosse: „es war immer außer Streit, dass man mit Repräsentanten der EU oder Österreichs sorgsam umgeht.“ So ist es. Ein anständiger Sozialdemokrat verfährt ordentlich mit den „kleinen Leuten.“ Der tritt nicht nach unten und krümmt sich nicht nach oben. Sich an den Allerschwächsten unserer Republik, an Alexander Van der Bellen oder Wolfgang Ambros abzureagieren ist wahrlich abstoßend und geschmacklos! Wozu gibt’s Bauarbeiter, Zeitungsausträger und Pizzaboten … oh Pardon – ich hoffe, ich hab da keinen wunden Punkt getroffen…

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia/(BKA/Wenzel); Lizenz: CC BY-SA 2.0]