Mindestens 56 Kinderehen gibt es in Sachsen. Dies geht aus der Beantwortung des sächsischen Sozialministeriums auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor. Allerdings, so räumt das Ministerium ein, könnte die tatsächliche Anzahl von Kinderehen noch höher sein, denn es gebe keine amtliche Statistik. Die jüngste der „Ehefrauen“ soll 2001 geboren sein, reiste im Juli 2015 in die BRD ein und war zu diesem Zeitpunkt also 13 oder 14 Jahre alt. Die meisten der Ehepaare sollen zudem syrischer Herkunft sein.

„Eine im Ausland wirksam geschlossene Ehe ist nach deutschem Recht zunächst auch in Deutschland wirksam, bis sie durch eine Entscheidung des Familiengerichts aufgehoben wird“, so Jörg Herold, Sprecher des sächsischen Justizministeriums. Diese Aussage hinterlässt allerdings einen faden Beigeschmack, denkt man an den Fall vor dem Oberlandesgericht Bamberg im Mai, als dieses entschied, dass das als Vormund bestellte Jugendamt der Stadt Aschaffenburg nicht über den Aufenthaltsort einer 15-jährigen Syrerin entscheiden darf, die als 14-Jährige mit ihrem volljährigen Cousin verheiratet worden war. Die durch Zivilregisterauszug nachgewiesene Ehe sei wirksam, urteilte das Gericht.

Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) erhofft sich eine rechtliche Klarstellung durch eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die Anfang September ihre Arbeit aufnehmen wird: „Für mich steht fest, dass Kinder-Ehen nicht mit unserem Verständnis einer Ehe in Einklang zu bringen sind.“ Die Arbeitsgruppe werde prüfen, ob Deutschland strengere gesetzliche Regelungen brauche, um Kinder-Ehen zu unterbinden. „Sachsen wird sich daran aktiv beteiligen“, kündigte Gemkow an.

Was an den Zahlen erschreckend ist, ist die Tatsache, dass es im Freistaat Sachsen deutlich weniger sogenannte Flüchtlinge gibt als in anderen Bundesländern und somit wohl auch die Zahl der Kinderehen im unteren Bereich liegen dürfte.

 

[Text: M. H.; Bild: Marius Arnesen/wikimedia.org]