Während der Kampf zur Befreiung der nordsyrischen Stadt Aleppo die internationalen Schlagzeilen füllt, ereignet sich im Jemen eine humanitäre Tragödie. Menschenrechtsorganisationen warnen, dass der Jemen, gegen den sein Nachbar Saudi-Arabien einen Krieg führt, „langsam verhungert“. Der Hilfsorganisation Oxfam zufolge sollen die Lebensmittelvorräte im April aufgebraucht sein. Außerdem sorgte der brutale Krieg der Saudis für drei Millionen Binnenflüchtlinge sowie 11.000 Todesopfer.

Saudi-Arabien, ein wichtiger Verbündeter der USA und vieler europäischer Staaten, begann den Bombenkrieg gegen das südliche Nachbarland im März 2015 zur Unterstützung des geflüchteten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, nachdem Huthi-Rebellen erklärt hatten, sie kämpften für Ali Abdullah Saleh, einem früheren Präsidenten, der vom Iran unterstützt wird und der die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa übernommen hatte. Oder vereinfacht ausgedrückt: Die Saudis und ihre westlichen Verbündeten kämpfen auf dem Rücken der Jemeniten eigentlich gegen den Iran.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft deshalb den Vereinigten Staaten Komplizenschaft an den von Saudi-Arabien im Jemen verübten Gräueltaten vor und fordert ein Waffenembargo gegen Riad. „Regierungen, die Waffen nach Saudi-Arabien verkaufen, können sich nicht glaubwürdig auf Untersuchungen der Koalition oder der Jemeniten verlassen, um festzustellen, ob diese Waffen gegen Zivilisten eingesetzt wurden. Die USA, Großbritannien und andere, die Waffen an Saudi-Arabien verkaufen, sollten diese Verkäufe einstellen, bis diese unrechtmäßigen Angriffe eingeschränkt und angemessen untersucht werden“, erklärt Priyanka Motaparthy von Human Rights Watch.

In einem neuen Bericht von HRW heißt es außerdem, die von Saudi-Arabien angeführte Koalition verwende im Jemen für mutmaßlich „ungesetzliche Handlungen“ US-Waffen, einschließlich bei „zwei der tödlichsten Zwischenfälle in diesem Krieg“. Bei einem Angriff im März auf einen Markt in Mastaba wurden 97 Zivilisten getötet, und ein Angriff am 8. Oktober auf ein Begräbnis in Sanaa forderte mindestens 100 Todesopfer. „Beide Angriffe stellen Kriegsverbrechen dar“, betont HRW.

 

[Text: B. T.; Bild: Almigdad Mojalli/VOA/wikimedia.org]