Im Jemen tobt seit Ende März des vergangenen Jahren ein Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die um die Vormacht am Persischen Golf ringen. Die Saudis führen einen Luftkrieg gegen die schiitischen Huthi-Milizen, die als Verbündete Teherans gelten. Und die Saudis, die einer der wichtigsten Verbündeten der USA sind, scheren sich herzlich wenig um das Völkerrecht. Denn seit Beginn der Luftangriffe wurden über 100 Spitäler und Ambulanzen im südlichen Nachbarland bombardiert.

Wie ein Vertreter der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ berichtet, meiden nun die Menschen in den betroffenen Gebieten Spitäler. „Die Menschen halten Spitäler für gefährliche Orte und versuchen sie zu meiden, wenn es nur möglich ist. Die einzigen Fälle, die wir erhalten, sind Notfälle und Massen-Opfer nach Angriffen“, sagt Juan Pietro, der die Projekte von „Ärzte ohne Grenzen“ im Jemen koordiniert.

Am 10. Jänner wurde das Shiara-Krankenhaus, wo die Hilfsorganisation seit November 2015 tätig ist, von einer Rakete getroffen. „Ärzte ohne Grenzen“ sagt zwar, man könne nicht sagen, wer für den Angriff verantwortlich sei, allerdings wurde unmittelbar vor dem Raketeneinschlag ein saudi-arabisches Kampfflugzeug gesichtet, welches über das Spital flog. Die UNO hat bereits die von Saudi-Arabien angeführten Luftangriffe im Jemen wegen der hohen Zahl ziviler Opfer als „unangemessen“ kritisiert. Nach Angaben der UNO wurden seit vergangenem März im Jemen 5.800 Zivilisten getötet.

 

[Text: B. T.; Bild: Ibrahem Qasim/wikimedia.org]