Wie schlimm steht es um die ÖVP? Das werden sich wohl viele fragen, die die Ereignisse der letzten Tage in der ÖVP beobachten konnten.

Da sind es die einst mächtigen Landesfürsten und Obleute der Bünde, die innerhalb kürzester Zeit, nachdem Mitterlehner das Handtuch warf, praktisch diskussionslos ihre ganze bundespolitische Macht einem 30-Jährigen übertragen, noch dazu einem, der aus der bei weitem schwächsten Landesorganisation, aus Wien kommt. Jetzt kann man das auch als späte Einsicht werten, schließlich wurde die bündische Struktur und die Macht der ÖVP-„Landesfürsten“ immer als Hemmschuh für eine funktionierende Führung der Bundespartei angesehen. Völlig unverständlich ist aber, dass die mühsam aufgebaute Marke ÖVP so einfach über Bord geworfen wurde.

Mit der Bezeichnung „Liste Sebastian Kurz, die neue Volkspartei“ wird das ganze Gewicht der Bewerbung auf den Namen des Außenministers verlagert. Damit liefert sich die ÖVP völlig aus. Die Parteienförderung fließt der neuen Gruppe zu, auch die politische Akademie bekäme ihr Geld nur mehr über den Umweg einer Aufnahme in die besagte Liste. Ein bisschen erinnert das schon an das Team Stronach. Und dessen Schicksal kann der ÖVP dann genauso blühen. Wenn es Kurz einmal nicht mehr passt und er sich zurückzieht, oder dazu gezwungen wird, kann die ÖVP wieder von vorne anfangen.

Bei der Kandidatur muss jede Liste auch eine Kurzform angeben. In diesem Fall würde sich analog zu den „Grünen“ die „Kurzen“ anbieten. Diese Kurzbezeichnung lässt sich dann auch sehr schön mit Eigenschaftswörtern kombinieren. So z. B.: „kurzsichtig“ oder „kurzlebig“, und weil Politiker und Parteien immer auch für erheiternde Meldungen gut sind, wäre „kurzweilig“ auch ein treffender Begriff.

 

[Text: W. T.; Bild: Dragan Tatic/flickr]