Obwohl beide Wiener und beide Sozialdemokraten sind, werden Michael Ludwig und Joy Pamela Rendi-Wagner wohl nicht beste Freunde werden. Zuerst sinnierte Wiens Bürgermeister am Mittwoch über eine mögliche Überbelastung der designierten SPÖ-Vorsitzenden: „Ich persönlich glaube, es ist eine sehr starke persönliche Belastung, den Parteivorsitz und den Klubvorsitz zu machen, aber das ist ihre Entscheidung.“

Was Ludwig dann am Donnerstag in einem Interview mit der Gratiszeitung „Heute“ sagte, zeigt, dass Rendi-Wagner alles andere als seine Favoritin ist. Auf die Frage, ob die Wahl Rendi-Wagners zu schnell ging, antwortete der Chef der mächtigen Wiener SPÖ, „ich hätte mir zuvor eine Strategie über Inhalte und Strategie gewünscht, aber das Ganze hat sich schnell dynamisiert.“ Begeisterung für die künftige Bundesparteivorsitzende sieht anders aus. Zwar bezeichnet Ludwig Rendi-Wagner als „sehr sympathisch, telegen und kompetent“, macht aber zugleich eine entscheidende Einschränkung: „Jeder muss sich in der Praxis beweisen.“

In der Tat dürfte Ludwig mit Rendi-Wagner und dem neuen SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda keine Freude haben. Während Ludwig einen pragmatischen Kurs führt, will Rendi-Wagner die SPÖ als „moderne, progressive, weltoffene Partei“ – sprich: als linke Partei – positionieren. Ludwig, der in der Bundeshauptstadt spätestens 2020 – wahrscheinlich aber bereits im kommenden Jahr – eine Wahl schlagen muss, kann daher einen Linksrutsch in der Bundespartei so gut gebrauchen wie einen Kropf. Und dass bei den Genossen viele mit Rendi-Wagners Personalentscheidungen unzufrieden sind, schreiben auch wohlmeinende Blätter wie der „Standard“: „Katerstimmung nach Rendi-Wagners SPÖ-Umbau.“

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0]