Während sich im deutschsprachigen Raum der Widerstand oftmals nur im Verborgenen formiert, die Angst vor sozialer Ausgrenzung und gesellschaftlicher Vernichtung alle Hoffnung auf eine selbst gestaltete Zukunft im Keime erstickt, weht in Italien ein ganz anderer Wind.
Hier haben junge Aktivisten im Jahr 2003 im heruntergekommenen Bahnhofsviertel von Rom ein verfallenes Haus besetzt und sind seitdem zu einer festen Größe der Alternativpolitik Italiens geworden.
Die Casa Pound, deren Name sich vom berühmten Schriftsteller Ezra Pound ableitet, versucht traditionelle Elemente mit zeitgemäßen zu verbinden und den Rahmen des Politischen auch jenseits der Parlamente auszudehnen.
 Insbesondere Wohnraum soll nach dem Konzept Mutuo Sociale bezahlbar bleiben. Dabei orientiert sie sich am Manifest von Verona, dem zukunftsweisenden Manifest Mussolinis.Die Bewegung hat sich Sport-, Kultur- und Sozialangebote auf die Fahnen geschrieben, deren Symbol die rechteckige Schildkröte ist. Diese Angebote orientieren sich an Mussolinis Opera Nazionale Dopolavoro mit dem Ziel letztlich „Raum- und Deutungshoheit“ zu erlangen. So werden etwa Eishockey, Bergwanderungen und Kampfsportarten angeboten. Nach dem Erdbeben von L’Aquila 2009 engagierten sich die Aktivisten in vorhanden Freiräumen als Helfer. Bis heute leisten sie Arbeit im Zivilschutz, im medizinischen Bereich (Blutspenden, Sorgentelefon etc.) und im Umweltschutz.
CasaPound greift dabei auch auf Namen und Bilder von Persönlichkeiten aus dem Kultur- und Politikbereich wie Jack Kerouac oder Bobby Sands zurück und nimmt dabei Anleihen aus der Popkultur; dort gehe es oft um Kämpfer, die außerhalb der bestehenden Moral stehen – die sich ohnehin selbst überlebt hat.
Das Prinzip Casa Pound positioniert sich dabei explizit jenseits des Establishments, ohne dabei in subkulturelle Formen wie die der Rocker oder Rapper abzugleiten. Dies hat die Organisation am Wochenende auf ihrem jährlichen Fest im toskanischen Grosetto eindrucksvoll bewiesen.
Drei Tage lang boten die Veranstalter ein buntes Programm für alle Generationen. Nur wenige Meter von den Sandstränden des Mittelmeers entfernt, fanden sich weit über tausend Gäste ein, viele mitsamt ihren Familien.
Der Philosoph Diego Fusaro, Ökonom Antonio Maria Rinaldi, Journalisten und Schriftsteller wie Alessandro Giuli, Enrica Perucchietti, Fabio Torriero und Francesca Totolo waren unter den Gästen. Politik, Kultur, Sport und Kommunikation sind die zentralen Themen des Festivals gewesen, das eine Reihe von offenen Konferenzen genauso organisierte wie Momente der internen Debatte und Abende im Namen von Theater, Unterhaltung und Musik.
Generalsekretär Simone di Stefano diskutierte mit der Journalistin Enrica Perrucchetti über das Spannungsfeld „Macht und Propaganda in der Ära der gefälschten Nachrichten“, zwar auf Italienisch, aber sowohl Grundkenntnisse des Lateinischen als auch zahlreiche hilfsbereite Kameraden, die bereit waren, zu übersetzen, machten die Vorträge auch für Ausländer nachverfolgbar.
Das musikalische Programm bewegte sich zwischen klassischen Ensembles bis zu treibenden Rockbands, das Arrangement war zielgruppengerecht angepaßt. Ein Höhepunkt war zweifelsohne der durch zahlreiche Zugaben immer aufgeheiztere Auftritt der Folk-Gruppe Compagnia dell‘Anello, die als Veteranen der patriotischen Musik gelten und schon während der Studentenproteste in den 1970er Jahren einen Input von Rechts gaben. Ihre Lieder werden noch heute von den jungen Schülern und Studenten des Blocco Studentesco, der Jugendorganisation der Casa Pound, begeistert mitgesungen.
Auffällig war, dass weder Polizei noch aufwändige Einlaß- oder Sicherheitskontrollen notwendig waren, geschweige denn auch nur der Hauch von den hierzuland üblichen Protesten von Antifa-Chaoten zu spüren war.
Die Casa Pound hat es binnen weniger Jahre geschafft, das metapolitische Vakuum der europäischen Demokratiesimulationen mit einer lebendigen Alternativkultur zu füllen, die von allen Schichten und Generationen begeistert gelebt wird.
Schließlich stand nicht nur der politische Kampf im Mittelpunkt, sondern die Begegnung mit Freunden und Vorreitern. Verschiedenste Musikstile trafen auf bildende Künstler, Tätowierer, Modedesigner und eine neu gegründete Hilfsorganisation für Syrien und die Dritte Welt. Präsident Gianluca Iaionne ist selbst in der Afrika-Hilfe engagiert und beweist damit, dass die gutmenschlichen Krokodilstränen eher linker Selbstbeweihräucherung zuträglich sind, als eine aktive Hilfe darstellen.
Trotz einiger Sprachbarrieren war das Festa Nazionale der Casa Pound auch von internationalen Gästen aus Deutschland, Österreich, Frankreich und Ungarn besucht. Die italienische Herzlichkeit mag über diese genauso federleicht hinweghelfen wie das breite Angebot als Beweis, dass eine aktive Überwindung der bestehenden Zustände sehrwohl möglich ist.

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[Text: A.S.; Bild: A.S.]