Auch in diesem Jahr stellt die Schweiz ihre vorbildliche Asylpolitik unter Beweis. Die Eidgenossenschaft schiebt aufgegriffene illegale Einwanderer, die von Italien aus nach Deutschland oder Skandinavien weiterreisen wollen, konsequent ab. Als Brennpunkt erweist sich dabei der Kanton Tessin und hier die Grenzgemeinde Chiasso, die nur wenige Kilometer von der italienischen Stadt Como entfernt ist. Vom Tessin aus wurden nach Angaben des Grenzwachtkorps allein im Juli 3.560 illegale Einwanderer umgehend wieder nach Italien zurückgeschickt. Seit Jahresbeginn waren es rund 8.300 Personen gewesen.

Wie der Tessiner Polizei- und Justizdirektor Norman Gobbi erklärt, stelle nur etwa ein Drittel der illegalen Einwanderer einen Asylantrag, und der Rest wird – in Einhaltung des Dublin-Abkommens – nach Italien zurückgeschickt. Gobbi zufolge werden derzeit zwischen der Hälfte und zwei Drittel nach Italien zurückgebracht.

Laut einem Bericht der „Neue Luzerner Zeitung“ stammten die meisten illegalen Einwanderer aus Eritrea, aber auch Gambier, Afghanen, Nigerianer und Somalier waren stark vertreten. Bei 1.284 Personen konnte die Schweizer Grenzwacht die Staatsbürgerschaft nicht feststellen. Die illegalen Einwanderer hatten entweder ihre Reisedokumente verloren oder – was wahrscheinlicher ist – vernichtet. Bei den meisten illegalen Einwanderern scheint es sich um keine armen Kirchenmäuse handeln, weil sie bei ihrer Reise öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Die „Neue Luzerner Zeitung“ schreibt dazu: „Auffallend ist, wie viele Menschen die Grenzwächterinnen und Grenzwächter in Zügen aufgriffen: 18.774. Nur ein geringer Teil der Menschen kam auf der Strasse (2.893) und noch weniger per Flugzeug (496).“

 

[Text: B. T.; Bild: Breeze/wikimedia.org]