Das Wahlergebnis von Oberösterreich mit den katastrophalen Verlusten von ÖVP und SPÖ und den sensationellen Zugewinnen der FPÖ hat seine Wirkung auf die wahlkämpfenden Wiener Sozialdemokraten nicht verfehlt. Selbst in der Führungsspitze scheint dort bereits völlige Konfusion und Hilflosigkeit zu herrschen. Während Spitzenkandidat Bürgermeister Häupl nicht auf den in Oberösterreich bekundeten Wählerwillen reagieren und alles beim Alten lassen möchte, hat sein Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler offenbar bereits völlig den Kopf verloren.

Im Interview mit der Wiener Kronenzeitung sagt er wörtlich: „Die, die gar keine Ausländer wollen, und jene, die Flüchtlinge an der Grenze warten lassen und aussperren wollen, die sollen zur FPÖ gehen!“

In welchem körperlichen Zustand er diese Wahlempfehlung abgegeben hat, entzieht sich unserer Kenntnis, gewiss aber in einem der völligen Unwissenheit über die Befürchtungen und Wünsche der SPÖ-Sympathisanten. Gut zwei Drittel der Österreicher, und innerhalb der SPÖ Wien ist dieser Prozentsatz noch höher, sind von dem „Sturm auf Europa“ durch Kriegs- und andere Flüchtlinge (Außenminister Kurz sprach von lediglich 50 Prozent Syrern) nicht sonderlich angetan, um das einmal vorsichtig auszudrücken.

Die Erfahrungen mit der im Ausländerbereich besonders hohen Kriminalitätsrate und vielfachen persönlichen unangenehmen „Erlebnissen“ mit Einwanderern trüben dabei die Aufnahmebereitschaft. Die Österreicher und die Wiener haben in der Vergangenheit immer wieder ihr großes Herz bewiesen, wenn es darum ging bedrängten Menschen zu helfen. Ob das die Ungarnkrise war oder der Konflikt am Balkan, die damaligen Flüchtlingsströme waren niemals ein Problem für die Österreicher. Jetzt aber erkennen die meisten sehr gut, dass bei dieser „Völkerwanderung“ nicht die Angst um Leib und Leben dahinter steht, sondern Kalkül und System. Die von den Zuzugsbefürwortern nunmehr ins Spiel gebrachte „Menschlichkeit“, die man mit offenen Grenzen beweisen soll, ist daher nichts mehr als propagandatechnische Agitation, um all jene als „unmenschlich“ zu diffamieren, die sich Sorgen um die Sicherheit und die Zukunft der eigenen Bürger machen.

Niedermühlbichler, der in dem angesprochenen Interview ebenfalls die „Menschlichkeit“ für die SPÖ postuliert, liegt damit auch noch in einem zweiten Punkt völlig daneben. Diese gutmenschliche Position haben längst Eva Glawischnig und die Grünen besetzt. Und wenn 10 bis 15 Prozent der Wähler damit ansprechbar sind, dann gehen sie lieber zum Schmied und das sind in diesem Fall die Grünen und nicht die SPÖ.

 

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W. T.

 

 

(Bild: Ludwig Schedl)