Das der sogenannte Islamische Staat (IS) über die Türkei einen lukrativen Schmuggel mit Erdöl betreibt ist ebenso bekannt wie die Tatsache, dass von der Türkei aus Waffen und Versorgungsgüter in das von den Islamisten beherrschte Gebiet gebracht werden. Nun liegen aber auch Beweise vor, die deutlich machen, dass die Türkei anscheinend eine entscheidende Rolle für den Schmuggel von Raubkunst aus dem vom IS kontrollierten Gebiet spielt. Bis vor wenigen Tagen hatten die Dschihadisten die Kontrolle über Wüstenstadt Palmyra mit ihren einzigartigen antiken Stätten. Das Verscherbeln von Artefakten aus dem Altertum stellt eine wichtige Einnahmequelle für Islamisten dar.

Journalisten des russischen Nachrichtensenders Russia Today ist es gelungen, in den Besitz einer dienstlichen Anweisung des „Ministeriums für Bodenschätze und Artefakte“ des IS zu gelangen. Darin wird den IS-Kämpfern befohlen, einem türkischen Staatsbürger zu helfen, der Raubkunst gekauft hatte. Wörtlich heißt es in dem mit 20. März 2016 datierten Schreiben: „Dem für die Grenzüberwachung zuständigen Bruder: Hiermit bitte ich, unserem Bruder, Hussein Hania Sarira, und seinem Gefährten, einem Kunsthändler aus der Türkei, freies Geleit zu geben, damit er mit unserer Abteilung für Artefakte am Ministerium für Bodenschätze zusammenarbeitet. Möge Allah euch segnen! Der euch liebende Bruder Abu Uafa At-Tunisi.“

Russia Today weist auch darauf hin, dass in dem Dokument bezüglich der Raubkunst dieselben Stempel zu finden sind wie auf den Erdölrechnungen des IS. Deshalb beweise dieses Schriftstück, „dass der IS mit Raubkunst über denselben Absatzweg handelt, über den er Waffen und Proviant bezieht“.

 

[Text: B. T.; Bild: Screenshot rt.com]