Bei fast einem Drittel der Hochzeiten, nämlich bei 33 Prozent, in der Türkei ist die „Frau“ eine Kinderbraut. Diese erschreckende Zahl nannte Nuriye Kadan, die im Vorstand einer türkischen Frauenrechtsorganisation sitzt, bei einer Konferenz. „Unglücklicherweise gibt es in unserem Land 181.036 Kinderbräute“, sagte Kadan der türkischen Zeitung „Hürriyet“ zufolge. „Fast 20.000 Eltern reichten Anträge ein, um ihre unter 16-jährigen Mädchen zu verheiraten“ fügte sie hinzu.

Tatsächlich dürfte die Zahl der minderjährigen Bräute, die zumeist von ihren Familien zwangsverheiratet werden, noch weitaus höher liegen, weil viele der Hochzeiten, in denen die Braut minderjährig ist, vor einem Imam stattfinden und damit nicht in der amtlichen staatlichen Statistik aufscheinen. Kadan betonte auch, dass „Kinderhochzeiten eine schwere Verletzung von Kinderrechten“ sind. Und die in der Türkei vorherrschende, vom Islam geprägte Geisteshaltung habe dazu geführt, dass es viele für gerechtfertigt halten, junge Mädchen zu einer Ehe zu zwingen. Trotz dieser zutiefst orientalischen Mentalität will die EU die Türkei als Mitglied sehen, weshalb nun die Beitrittsverhandlungen beschleunigt werden sollen.

Nach Angaben des Rechtsprofessors Mustafa Ruhan Erdem sind Kinderhochzeiten in der Türkei kein strafrechtliches Delikt. Unter 16-jährige Mädchen dürfen mit Erlaubnis eines islamischen Scharia-Gerichtes heiraten. Für die bedauernswerten minderjährigen Mädchen hat eine (Zwangs-)Eheschließung in der Regel schlimme Folgen. So weist die Frauenrechtlerin Kadan darauf hin, dass „rund 97 Prozent der Schüler und Studenten, die ihre Ausbildung wegen einer Eheschließung abbrechen, Frauen sind“. Darüber hinaus sind die Todesfälle von Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren meist die Folge einer Schwangerschaft.

 

 

Text: B. T.
Bild: Screenshot www.hurriyetdailynews.com