Am Freitag stationierte die Türkei 150 Soldaten und 25 Panzer in der Nähe der nordirakischen Stadt Mossul. Mossul befindet sich seit Juli 2014 in den Händen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Ankara begründet die Truppenverlegung, die eine Verletzung der territorialen Integrität des Nachbarlandes bedeutet, damit, diese diene der Ausbildung kurdischer Peschmerga. Die kurdischen Peschmerga-Einheiten haben sich bislang als einzige wirksame Einheiten am Boden im Kampf gegen den IS erwiesen.

Tatsächlich dürfte es den Türken um etwas ganz anders gehen, nämlich um die Kontrolle der Erdöl- und Erdgasvorkommen im kurdischen Nordirak. Jedenfalls dürfte Ankara deutlich mehr als 150 Soldaten in die Nähe von Mossul entsendet haben. „Die Türkei errichtet eine Basis in der Baschika-Region von Mossul mit 600 Soldaten“, titelte in diesem Zusammenhang die Zeitung „Hürriyet“. Und nachdem wegen des Abschusses eines russischen Kampfbombers die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara an einem Tiefpunkt angelangt sind, suchen die Türken für den Fall des Falles für ihre Energieversorgung Alternativen zu Russland. Erst vor wenigen Tagen erklärte Präsident Erdogan, sein Land werde auch andere Energielieferanten finden, sollte Russland den Gashahn zudrehen.

Auch politisch-militärisch ist das Vorgehen der Türkei im Irak von großer Brisanz, weil sich die irakische Zentralregierung immer mehr Russland annähert. So sagte vor einigen Wochen ein hochrangiger irakischer Parlamentssprecher, Bagdad erwäge, Russland im Kampf gegen den IS um Hilfe zu bitten. Moskau stellte klar, nur nach einer ausdrücklichen Bitte aus Bagdad im Irak militärisch einzugreifen. Und zur nunmehrigen Stationierung türkischer Truppen auf irakischem Staatsgebiet sagt der Vorsitzende des Sicherheitskomitees der irakischen Regierung, Hakim al-Samili: „Der Irak hat die Kraft, diese Truppen zu verjagen. Wir haben auch die Möglichkeit, Russland um eine Intervention gegen die türkischen Truppen zu bitten, weil die Türkei die territoriale Integrität des Irak verletzt hat.“

 

 

Text: B. T.
Bild: Sgt. 1st Class Michael Hagburg, 116th Public Affairs Detachment/wikimedia.org