Aufgrund des Ergebnisses der SPÖ bei den Gemeinderatswahlen vergangenen Herbst wird Wien auch weiterhin von einer rot-grünen Koalition regiert. Ein Kulturbudget von 250 Millionen (!), das ist immerhin mehr als die Hälfte der vom Bund für die gesamte Republik vorgesehenen Mittel, erlaubt vielfältige Förderungen und Subventionen diverser Milieus – ein Schelm, wer dabei an den bekannten Spruch von Brot und Spielen denkt. Nicht eingerechnet in diesem Riesenbetrag sind jene Summen, die der Bund in die Wiener Institutionen, die Bundesmuseen und Bundestheater, pumpt. Angesichts der offensichtlichen finanziellen Bedeutung wird auch verständlich, warum die SPÖ bei der Neuauflage der Koalition mit den Grünen nicht daran dachte ,das „Metapolitik“-Ressort aus der Hand zu geben. Andreas Mailath-Pokorny steht damit als verantwortlicher Stadtrat in seinem sechzehnten Jahr.
Selbstverständlich versuchte aber auch der Juniorpartner Einfluss auf die für die Volkserziehung so wichtigen und prestigeträchtigen Institutionen zu bekommen, insbesondere der ehemalige Kultursprecher und ausgebildete Clown Klaus Werner-Lobo tat sich hier hervor. In Erinnerung bleibt die von ihmangezettelte Absage eines Konzertes der Wiener Brachial-Prolo-Kombo Die Hinnichen, wobei dem Veranstalter recht deutlich mit dem Entzug von Förderungen gedroht wurde. Keineswegs zimperlich waren die Grünen auch in der brutalen Absetzung Gerald Matts, des langjährigen Direktors der Wiener Kunsthalle und ehemaligen Sekretärs der mächtigen Kulturstadträtin Ursula Pasterk. Flankiert durch eine massive Medienkampagne, in der Matt unter anderem Untreue vorgeworfen wurde, trieb man diesen schließlich zum Rücktritt – der Hintergrund dürfte vielmehr in der Integration der Kunsthalle in den städtischen Machtbereich gelegen sein, samt politischer Neubesetzung des Aufsichtsrats. Matt wollte diese Verpolitisierung offensichtlich nicht hinnehmen und war deshalb zum Abschuss frei. Unnötig zu erwähnen, dass die Staatsanwaltschaft im Dezember 2012 mitteilte, dass die in der Anzeige der Grünen erhobenen Vorwürfe sämtlich falsch und haltlos seien.

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[Bild: Wahlplakat der Grünen]