Zur Behauptung der ÖVP, anders als die anderen nicht auf dreckige Kampagnen zu setzen, passen Bemerkungen wie die von Kurz und Dönmez nicht gerade, zumal wenn sie sachlich daneben liegen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob diese Fehler Auswirkungen haben. Die Konkurrenz hat den Inszenierungscharakter der Kurz-Kampagne als Schwachpunkt ausgemacht.
Bei der SPÖ hingegen läuft die Kern-Inszenierung nicht ganz so rund. Die Pannen- und Pleitenserie wird nun durch Facebook-Hetzseiten gegen ÖVP-Obmann Sebastian Kurz mit „antisemitischen“ und „rassistischen Inhalten aus linker Schreiberhand „abgerundet“. Finanziert, laut (Ex-)SPÖ-Wahlkämpfer Tal Silberstein, aus seinem SPÖ-Werbehonorar.
Zumindest ein Mitarbeiter der SPÖ soll eingebunden gewesen sein. Der SPÖ-Kanzler jedenfalls sah sich selbst als „Opfer“. Die gewohnte Täter-Opfer-Umkehr? Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass die Sozis mit einer Schmutzkübelkampagne ihren Machtverlust verhindern wollten: Im aussichtslos erscheinenden Kampf für den SPÖ-Präsidentschaftskandidaten Kurt Steyrer gegen Kurt Waldheim verkündete der SPÖ-Kanzler Sinowatz 1986 auf einer Vorstandssitzung der burgenländischen SPÖ, man werde die „braune Vergangenheit“ Waldheims publik machen, wie man dank Ottilie Matysek weiß. Gut in Erinnerung bleibt auch die Äußerung Heinz Fischers (damals Sinowatz' Stellvertreter), die Behauptung, die SPÖ steuere die Anti-Waldheim-Kampagne, sei an sich schon eine Verleumdung und „unanständig und unsinnig“.
Zum Wendehals Waldheim bemerkte Sinowatz später: „Ich nehme zur Kenntnis, dass Waldheim nicht bei der SA war – nur sein Pferd.“ ÖVP-Generalsekretär Michael Graff konterte: „Man kann Sinowatz nicht als Schmutzfink bezeichnen, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass er hinter der Kampagne steckt. Man kann dann aber sagen, er hält sich Schmutzfinke .“ – Ähnlichkeiten sind rein zufällig und ungewollt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.