Wie in Österreich gibt es auch in der Bundesrepublik einen Presserat, der Medien vorschreibt, wie zu berichten ist, d. h. welche Wörter verwendet werden dürfen und welche „Informationen“ man dem Leser aus Gründen der politischen Korrektheit besser vorenthalten sollte. Zeitungen und Zeitschriften, die sich zu den sogenannten anerkannten „Qualitätsmedien“ zählen wollen, haben sich an den, vom Presserat herausgegeben, Pressekodex strikt zu halten.

Groß ist allerdings das Geschrei, wenn einzelne Zeitungen beschließen, aus dieser Berichterstattungs-Phalanx auszubrechen und den Kodex gänzlich, oder auch nur zum Teil, zu ignorieren. Dies beschloß nun die in Dresden erscheinende „Sächsische Zeitung“. Fortan will sie, sofern diese den Behörden bekannt sind, die Nationalität von Straftätern in Artikeln nennen.

Damit stellt sich die Tageszeitung gegen den Deutschen Pressekodex, den dieser empfiehlt. Diese Empfehlungen sind eigentlich nicht bindend, jedoch halten sich fast alle daran, wie z. B. unter dem Punkt „Diskriminierung“: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Der deutsche Presserat zeigt sich ob dieses Vorgehens erwartungsgemäß wenig erfreut, schließlich könnten auch andere Zeitungen diesem Beispiel folgen und somit sein Einfluß schwinden. Ebenso der Deutsche Journalistenverband (DJV), dessen Bundesvorsitzender Frank Überall erklärte: „Die Anwendung des Pressekodex kann keine einseitige Rosinenpickerei sein. Wenn sich eine Mehrheit demokratisch auf Regeln einigt, muss man das akzeptieren. Es bleibt der ‚Sächsischen Zeitung‘ doch unbenommen, sich im Presserat für eine Veränderung oder gar Streichung der Ziffer 12.1 einzusetzen.“ Denn, so der DJV-Vorsitzende, so lange alle Ziffern des Pressekodex aber für alle Beteiligten verbindlich seien, dürften sie auch nicht einzeln ausgehebelt werden – sonst gefährde das die Rolle des Presserats als System der freiwilligen Selbstkontrolle.

Die Sächsische Zeitung hingegen begründet das Vorgehen damit, dass sie das Vertrauen der Leser stärken will. Und der Chefredakteur Uwe Vetterick erklärte: „Wir helfen Flüchtlingen am Ende besser, wenn wir die Nationalität von Straftätern, soweit sie uns bekannt ist, nennen. Das ist kein Einknicken vor der Straße und auch kein Angriff auf den Presserat.“

Ob dieser neue Versuch einer vertrauensbildenden Maßnahme auch hilft, die stetig sinkenden Verkaufszahlen wieder zu erhöhen, bleibt abzuwarten.

 

[Text: M. H.; Bild: metropolico.org/flickr.]