„Alle meine Brüder heißen Otto, bis auf Markus, der heißt Gerhard“ – dieser Satz ist seit langem ein Klassiker für Freunde des Absurden. Er weist seinem anonymen Schöpfer Humor und Intellekt aus. „Hätten die Grünen am 25. Juni 2017 in Linz nicht mich, sondern Peter Pilz auf Platz 4 der Liste gewählt, hätte dieser die Partei schon 2015 verlassen“. Dieser Satz hingegen ist keine Kombination aus Witz & Geist, sondern aus Julian & Schmid. Er gibt den Inhalt der Antwort des 28-jährigen Grün-Nationalrats auf die unverblümte Frage „Sind Sie der Totengräber der Grünen?“ des „Heute“-Journalisten am Tag nach der Wahl komprimiert wieder. Außerdem, so Schmid weiter, wären laut Wählerstromanalyse die meisten Grün-Wähler zur SPÖ gewechselt und nur 64.000 zur Liste Pilz. Nun ja, nachdem den Grünen 10.160 Stimmen zum Verbleib im Nationalrat fehlen, richtet sich auch diese Aussage von selbst …

Wer ist jener Mann bzw. jenes Männchen, das der Grün-Partei ihr eigener Tod wert war? Bis zum 15. Oktober 2017 war Julian Schmid ein Glückskind. Das begann schon bei seinem Start ins Leben – einige Stunden früher und er hätte am 100. Geburtstag von Adolf Hitler das Licht der Welt erblickt.

So aber war für den Klagenfurter nach Landesschulsprecheramt, Zivildienst und Politologie-Bachelor die grüne Karriereleiter reserviert. Sein kometenhafter Aufstieg war der zeitgenössischen heiligen Dreifaltigkeit aus Jugendlichkeitswahn, Oberflächlichkeit und Sexualisierung geschuldet und Schmid erfüllte die Erwartungen voll und ganz.

Er ließ sich mit Kussmündern übersät („Ich bin Öffi für alles“) plakatieren, verstand den Kapuzenpulli bei seiner Jungfernrede im Hohen Haus als bewusstes „Statement“ und schaffte es mit Urlaubsfotos in Badehose auf die Titelblätter. Für die Grünen war er nach außen der dringend notwendige Gegenpol zu ihrem oberlehrerhaften Getue und zu Radikalinskis wie Final-Klubchef Albert Steinhauser.

Das Öko-Image war längst verloren. Im Nationalrat hatten die Grünen für die Atomkraft gestimmt (EURATOM-Vertrag) und in Wien lassen sie bewaldete Grundstücke für den Bau von Luxuswohnungen abholzen. Gegenüber „NEWS“ sagt eine deklarierte Ex-Wählerin in der Hochburg Wien-Neubau, sie wolle wieder eine Umweltpartei und „keine keifenden Weiber“. Die Verluste in Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt waren atemberaubend. In Graz fielen die Grünen gar von Platz 1 auf 6 zurück …

Das Ausscheiden der grünen Partei ist der unerwartete Abschluss eines kuriosen Wahlkampfes. In diesem punktete das älteste Regierungsmitglied der ÖVP, das lediglich einen Pfusch (Islamgesetz-Novellierung) und eine fremde Feder (Viktor Orbáns Schließung der Balkanroute) vorweisen konnte, als „neuer Besen“, und der frischg´fangte Kanzler pochte nach mageren 15 Monaten in der Politik auf seine „Erfahrung“. Dass er die SPÖ zur Silberstein-Partie in Österreich gemacht hat, löste eine Wählerwanderbewegung aus (Rote zu Blau, Grüne zu Rot), die Lunacek auf den Kopf fiel.

Das parlamentarische Ende ist freilich primär hausgemacht. Man hat ja nicht nur Peter Pilz weggeekelt, sondern auch andere. Die aufmüpfige Parteijugend unter Flora Petrik wurde pauschal ausgeschlossen und da diese von der Uni her Koalitionen mit Sozialisten und Kommunisten gewohnt ist, ging sie zur KPÖ. Bundessprecherin Eva Glawischnig verabschiedete sich bald genervt aus der Politik. Bei so vielen Turbulenzen ging das Abschießen der Kärntner Landeschefin Marion Mitsche beinahe unter. Diese wurde nach Aussagen mehrerer hoher Funktionäre bei der Landesversammlung durch die Stimmen von Asylwerbern weggeputscht. Diese waren zwar als grüne Parteimitglieder angeworben worden, verstanden aber kein Deutsch und viele kein Englisch. Der Sieg der Putschisten kommt den grünen Träumen sehr nahe: Dem Ausländer wird bereits bei der Einreise die österreichische Staatsbürgerschaftsurkunde überreicht – samt Briefwahlkarte, die ihm die betreuende linke NGO gleich abnimmt. Mitsche hat nun die F.A.I.R.-Partei gegründet, mit der sie 2018 bei der Landtagswahl antreten will. Grün-Landesrat Rolf Holub, im Zivilberuf Späßchenmacher, der derzeit den großen Hypo-Skandaljäger spielt, obwohl er der Hypo-Landeshaftung selbst im Kärntner Landtag zugestimmt hat, dürfte dann endgültig das Lachen vergehen …

 

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[Bild: Melanie Hiller/Grüne Innsbruck]