Rheinland-Pfalz ist in einer schwierigen Situation. Wieder einmal gilt es einen Kulturpreis loszuwerden und ergo jemanden zu finden, der ihn auch nimmt. Nun, wer eignet sich da wohl besser als Robert Menasse? Robert Menasse nimmt ihn bestimmt. Er nimmt auch erfundene Zitate für seine Artikel, legt sie Politikern in den Mund, die sie gar nicht gesagt haben und schreibt sie Plätzen zu, an denen diese gar nicht waren. Wer so viel annimmt, nimmt gewiss auch einen Kulturpreis an.

Interessant an diesem vermeintlichen Skandal, der seit Tagen die Feuilletons themenhungriger Silbenstecher zupflastert, ist ausschließlich die Tatsache, dass er erst jetzt entdeckt wird. Vom Monatsmagazin bis hin zur Tageszeitung rezensiert jedes Blättchen seit Jahr und Tag Menasses Schriften, und keinem Journalisten ist bislang auch nur die leiseste Ahnung einer Unstimmigkeit ins Auge gesprungen. Jetzt erst, nach Jahren kommt man plötzlich dahinter und entrüstet sich.

Und was beweist uns das? Robert Menasse ist gar nicht so wichtig, wie es bislang schien. Ständig deckt man ihn mit Kolumnen, mit Artikeln, Essays und ähnlichen Textformen ein, druckt ihn unentwegt überall, rezensiert ihn von Villach bis Flensburg – nur gelesen wird er scheinbar von niemandem. Vielmehr spannt man ihn als Paradeintellektuellen für Halbgebildete ein, um ihnen die Idee vom „Vereinten Europa“ schmackhaft zu machen. „Nie wieder Krieg!“ ist die Parole – und Robert Menasse der Populist, der sie überbringt. Als ob Zentralisierung der absolute Garant für Frieden wäre. Wir hatten auch bis 1995 keinen Krieg und die Schweiz seit Jahrhunderten keinen. Krieg ist stets die Folge unüberbrückbar entgegengesetzter Interessen. Und entgegengesetzte Interessen wird es immer geben. Ob nun Staaten aufeinanderprallen, oder – wie im vereinigten Zentralreich – einzelne Ethnien Bürgerkriege führen, ist irrelevant. Die Überzeugung allerdings, Krieg durch Bürokratie verhindern zu können, ist nichts als lachhaft. Auch Friede ist übrigens Krieg – mit anderen Mitteln.

 [Text: A.L.; Bild: Wikipedia/Servusbonjourtschuess; Lizenz: CC BY-SA 4.0]