So wie hierzulande sind bei unserem nördlichen Nachbarn Staatschef und Regierung ein Herz und eine Seele. Beim Besuch des deutschen Bundespräsidenten Steinmeier macht Präsident Miloš Zeman aus seinem Herzen keine Mördergrube: „In der Frage der Migration sind die tschechische Regierung und ich einer Meinung, und man wird uns da nicht auseinanderbringen können. Ich habe meine berechtigten Zweifel, ob die Kultur der Migranten mit unserer europäischen Kultur vereinbar ist. Ich denke vor allem an die Migranten aus dem muslimischen Kulturkreis.“

Bekanntlich lehnt das Kabinett in Prag die Aufnahme von Zureisenden ab. Selbst wenn man deswegen um die Subventionen aus Brüssel umfalle. Präsident Zeman hat noch ein weiteres gutes Argument: Wegen der wirtschaftlichen Lage in den Herkunftsländern der Migranten sei man auf das Wissen und die Arbeitskraft von gesunden jungen Männern dringend angewiesen. Ein Weggang dieser Personengruppe sei ein Verlust an Know-how. Der deutsche Gast, seit jeher ein braver Nachbeter des Merkel-Dogmas „Wir schaffen das“, war minder begeistert.

Hinsichtlich der Bundestagswahlen in der Berliner Republik gibt es in Prag unterschiedliche Auffassungen. Während der rote Noch-Premier Bohuslav Sobotka Mutti Merkel gratuliert und pflichtschuldigst vor der AfD warnt (Wer sich heute über den Stimmenzuwachs der AfD freut, sollte sich dessen bewusst werden, dass die AfD momentan gegen die Flüchtlinge und die EU hetzt, morgen wird sie jedoch gegen die Tschechen und die Polen hetzen), gratuliert der Staatsmann Václav Klaus – der bereits in Österreich den patriotischen Kandidaten für die Hofburg unterstützt hat – der „Alternative für Deutschland“ zum phantastischen Ergebnis.

Dazu muss man wissen: Klaus erfreut sich in Tschechen sowie auch international einer durchaus beachtlichen Reputation, während Sobotka sogar von seiner eigenen Partei (Sozialdemokraten, CSSD) nicht mehr als Spitzenkandidat aufgestellt wird. Der farblose Bürokrat mit Kassenbrille, dem Staatschef Zeman das Charisma eines Gurkenglases bescheinigt, ist auch in allen Umfragen untendurch (zuletzt rund zehn Prozent; 2013 20,45 %), die Sozialdemokraten rangieren in der Wählergunst zeitweise hinter der alt-stalinistischen „Kommunistischen Partei von Böhmen und Mähren“ (KSCM) mit 10,5 %. Die ziemlich überalterte KSCM befindet sich in derselben Lage wie hierzulande die SPÖ – die Stammwähler sterben ihr weg. Dumpfe Typen à la „Mein Großvater hat schon rot gewählt“ werden immer rarer. Gott sei Dank. Denn Demokratie lebt vom mündigen Bürger.

Favorit für die Wahl der ersten Kammer des Parlaments am 20./21. Oktober ist die Bewegung ANO (tschech. Ja) des Milliardärs Andrej Babiš, eines gebürtigen Slowaken.

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[Bild: Jiří Vítek/wikimedia.org]