Nach rund 1.000 Jahren, in denen sich das Christentum ausbreitete, soll nun in Island wieder ein Tempel für die germanischen Götter Odin, Thor und Frigg errichtet werden. Auf einem Hügel nahe der Hauptstadt Reykjavik soll das Bauwerk mit vier Metern Durchmesser und einer Kuppel stehen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Zwar glaube „niemand an einen einäugigen Mann, der auf einem zweieinhalb Meter großen Pferd reitet“, sagt Hilmar Orn Hilmarsson, der Hohepriester der Vereinigung „Asatruarfelagid“, die sich der Wiederbelebung des alten Glaubens verschrieben hat, aber es werden die altgermanischen Geschichten als eine „poetische Metapher und eine Manifestation der Kräfte der Natur und der menschlichen Psychologie“ betrachtet.

Wie groß auf der Insel im Nordatlantik die Rückbesinnung auf die germanische Mythologie ist, zeigt die Tatsache, dass „Asatruarfelagid“ die Zahl seiner Mitglieder in den letzten zehn Jahren auf 2.400 verdreifachen konnte. Das ist gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, das Island nur rund 330.000 Einwohner zählt.

In dem Tempel sollen Zeremonien wie Hochzeiten oder Begräbnisse stattfinden, aber auch Namensgebungsfeiern für Kinder oder Initiationsriten für Jugendliche, was das heidnische Pendant zur Firmung bzw. Konfirmation ist. Geplant ist zudem das Abhalten des alten „Blot“-Rituals mit Musik, Lesungen sowie Speis und Trank. Als Zugeständnis an die moderne Zeit soll allerdings auf das vor 1.000 Jahren noch übliche Schlachten von Tieren verzichtet werden.

 

B. T.

 

 

(Bild: Johannes Gehrts)