126 Millionen Japaner gibt es derzeit. Ihre Zahl schrumpft alljährlich um 300.000 Menschen. Eine rapide Überalterung und miserable Geburtenraten sind die Ursachen. Die Zahl der Arbeitnehmer nimmt ab: Auf einen Arbeitslosen kommen 1,1 freie Stellen, de facto Vollbeschäftigung. Vorhersehbar schreit die Wirtschaft in Gestalt des Industrieverbandes Keidanren nach importierten Arbeitskräften. Doch die Politik, die konservative Regierungspartei von Shinzo Abe und die linksliberale Opposition, stellten sich taub. Japan ist und bleibt kein Einwanderungsland. Auch der Gewerkschaftsverband Rengo ist dagegen. Er fürchtet den Lohndruck für seine Mitglieder und dass die Arbeitsverhältnisse für die mit nur Zeitverträgen Beschäftigten (ein Drittel der Arbeitnehmer!) noch prekärer werden.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Einige Tausend Philippinas, Thaifrauen und Indonesierinnen arbeiten in Pflegeberufen und als Haushaltshilfen. Hundertausende „Praktikanten“ – junge Chinesen und Südostasiaten – werken miserabel bezahlt mit Drei-Jahresverträgen auf Baustellen, in der Fischerei und in Mittelbetrieben der Metallindustrie, verrichten Arbeiten, die, weil sie schmutzig und gefährlich sind, kein Japaner mehr machen will. Osteuropäische Prostituierte bereichern als „Unterhalterinnen“ das Nachtleben von Tokio und der Provinz. Japanische Gangster haben in jener Branche auch einige hundert Nigerianer als Anschaffer und Hinauswerfer für Ausländer engagiert. Gelegentlich heiratet auch ein japanischer Landwirt eine Philippinin, weil kaum noch junge Japanerinnen als Bäuerinnen leben und arbeiten wollen.

Dann gibt es noch etwa 1,5 Millionen Nachkommen nordkoreanischer und chinesischer Fremdarbeiter der Kriegszeit, die nicht in ihre kommunistisch gewordene Heimat repatriiert werden wollten. Mit japanischen Namen sind die meisten gut in die japanische Gesellschaft integriert. Masayoshi Son, der Begründer der Internetfirma Softbank und reichster Mann Japans, ist einer davon. Richtig willkommen ist eigentlich nurdie knapp bemessene Zahl ausländischer Wissenschafter (besonders Nobelpreisträger, von denen keiner kommen will), Studenten, Bankern, Ärzten und Anwälten, die befristete Arbeitsgenehmigungen erhalten. Politisches Asyl gibt es nur in absoluten Ausnahmefällen: ein halbes Dutzend ist bekannt. Schon die Boatpeople der Vietnamflüchtlinge wurden in den 70er Jahren mitleidslos abgeschoben.

 

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