Mit der Einnahme der nordsyrischen Stadt Afrin durch türkische Truppen und mit ihnen verbündete Milizen wurde ein Konflikt offenkundig, der langfristig für die NATO von großer Bedeutung sein kann. Auf der einen Seite steht das NATO-Land Türkei, welches mit Hilfe islamischer Dschihadisten gegen die Kurdenmilizen vorgeht. Auf der anderen Seite stehen eben diese, welche wiederum von der USA, aber vor allem auch von Israel unterstützt werden. Israel steht schon seit langem hinter den kurdischen Bestrebungen zur Gründung eines eigenen Staates auf dem Gebiet Syriens, des Irak und des Iran. Dass davon auch die Türkei betroffen wäre, nehmen die Israelis in Kauf, wenn es um ihr Ziel geht, die anderen Länder der Region, mit denen es allesamt verfeindet ist, zu schwächen und in innere Konflikte zu führen. Während des Kalten Krieges näherte sich Mullah Mustafa Barzani, der Vater Masoud Barzanis, der zwischen 2005 bis 2017 Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak war, den USA an.
Er wurde angeblich auch Offizier des Mossad. Tatsache ist, dass die kurdisch-israelischen Verhältnisse sich spätestens seit den 60-er Jahren­ gut entwickelt haben.
Seit 2015 kauft Israel kurdisches Öl aus dem Irak, was aber von der Regierung in Bagdad nicht akzeptiert wird. Im Januar 2012 behauptete die französische Zeitung „Le Figaro“, dass israelische Geheimagenten persische Dissidenten an geheimen Orten im irakischen Kurdengebiet anwerben und ausbilden. Durch die Unterstützung der Kurden gewinnt Israel Einfluss im Iran, Irak und in Syrien. Die „Washington Post“ schrieb, dass die Türkei dem iranischen Geheimdienst ein israelisches Spionagenetz verriet, und mindestens zehn Personen nannte, die für Kurden gehalten wurden und sich angeblich mit Mossad-Agenten in der Türkei trafen. Die Beziehung zwischen Israel und der Türkei wird durch die jüngsten Vorstöße der Türken natürlich weiter belastet, und für den NATO-Partner USA sind die türkischen Angriffe natürlich auch alles andere als leicht zu behandeln. Dabei sind die Kurden sicherlich kein leichter Verbündeter für die USA und Israel.
Die kurdische ArbeiterPartei PKK so wie ihre syrische Ausprägung der YPG sind radikale Bewegungen, die von Marxismus, Feminismus, Leninismus und einem kurdischen Nationalismus geprägt sind. Abdullah Öcalan, der inhaftierte Führer der PKK, nennt seine Ideologie „Demokratischen Con-Föderalismus”, der von dem amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin („Revolutionäre haben die Verpflichtung, anderen zu helfen, ebenfalls Revolutionäre zu werden, aber nicht die Verpflichtung, Revolution zu machen“) beeinflusst ist. Der übersteigerte Nationalismus der Kurden führt unter anderem dazu, dass sie behaupten, dass alle umliegenden Kulturen, von der arabischen über die türkische bis zur persischen, von der Kurdischen Kultur abstammen...

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