Schwere Vorwürfe gegen das türkische Militär erhebt die Abgeordnete Feleknas Uca von der prokurdischen Partei HDP. Ihr zufolge geht das Militär beim sogenannten „Anti-Terror-Einsatz“ gegen die (verbotene) kurdische Arbeiterpartei PKK in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei rücksichtslos gegen Zivilisten vor: „In Cizre in der Provinz Sirnak wurden rund 150 Menschen in verschiedenen Häusern von türkischen Militärs lebendig verbrannt. Einige Leichen wurden enthauptet entdeckt.“ Bei den Verbrannten soll es sich durchwegs um ethnische Kurden handeln.

Erschütternd ist auch der Bericht des Reporters William Whiteman, der für den russischen Nachrichtensender RT in den türkischen Kurdengebieten unterwegs war. Demnach soll den eingeschlossenen Menschen Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung verweigert worden sein. Eine Augenzeugin berichtet, dass möglicherweise bis zu 500 Menschen vom Militär getötet wurden: „Es handelte sich um ältere Menschen, Frauen und Kinder – manche waren noch nicht einmal zehn Jahre alt. Sie töteten eine hochschwangere Frau.“ Und die Frau fügt hinzu: „Frauen und Kinder lebten hier. Erdogan tötete sie mit schwerer Artillerie.“

Zu den von den türkischen Streitkräften mutmaßlich verübten Gräueltaten sagt Kani Xulam, Direkter des Amerikanisch-kurdischen Informationsnetzwerks, dass es sich um Kriegsverbrechen der Erdogan-Regierung handle: „Was die Regierung der Türkei in Cizre getan hat, war ein Kriegsverbrechen. Sie haben Zivilisten angegriffen, die nicht an den Kämpfen teilgenommen hatten.“ Sollten die erhobenen Vorwürfe stimmen, dann wären die türkische Staatsspitze, allen voran Präsident Recep Tayyip Erdogan, ein Fall fürs Haager Kriegsverbrechertribunal.

 

[Text: B. T.; Bild: Screenshot RT]