Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan müssen alle nach seiner Pfeife tanzen. Das gilt nicht nur für die türkische Innenpolitik, sondern auch für die EU. Und zeigen sich die Europäer unwillig, dann werden sie beinhart erpresst, wie es am 16. November des Vorjahres am Rande des G20-Gipfels in Antalya geschehen ist. Wie aus dem nun von der griechischen Nachrichtenseite Euro2Day veröffentlichten Protokoll des Dreiergesprächs zwischen Erdogan und EU-Ratspräsident Donald Tusk sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hervorgeht, will der türkische Präsident von Brüssel mehr als die zugesagten drei Milliarden Euro zur Versorgung der syrischen Flüchtlinge in der Türkei.

„Wenn Sie drei Milliarden für zwei Jahre sagen, gibt es keinen Grund weiter zu diskutieren“, ließ Erdogan seine europäischen Gesprächspartner wissen. Um Tusk und Juncker klarzumachen, wer der Herr im Hause ist, drohte Erdogan: „Wir können jederzeit die Tore nach Bulgarien und Griechenland öffnen und wir können die Flüchtlinge in Busse setzen.“

Aber diese Unfreundlichkeit gegenüber den Europäern war noch nicht alles. Im Verlaufe des Gesprächs sagte der türkische Präsident, er könne jederzeit 10.000 bis 15.000 Flüchtlinge losschicken. „Wie wollen Sie damit umgehen?“, fragt Erdogan die beiden Spitzenvertreter der EU, um dann, wie im Gesprächsprotokoll vermerkt ist, folgende rhetorische Frage zu stellen: „Wollen Sie die Flüchtlinge dann töten?“

Am Ende des Gesprächs bezeichnete Erdogan die von der EU angebotenen drei Milliarden Euro noch einmal als „Beleidigung“. Zwar habe Ankara dem Drei-Milliarden-Abkommen zugestimmt, aber 2017 müsse aus türkischer Sicht „nachverhandelt“ werden. Die EU muss aufpassen, dass sie nicht vollends am Gängelband des machtlüsternen neo-osmanischen Sultans landet.

 

[Text: B. T.; Bild: Gobierno de Chile]