Es ist ein weiterer Affront gegen Europa. Am gestrigen Sonntag fanden in zahlreichen türkischen Städten Feiern aus Anlass des 563. Jahrestags der Eroberung Konstantinopels durch den osmanischen Sultan Mehmet II. statt. Die größte und pompöseste Feier, an der auch der islamistische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan teilnahm, fand in Istanbul, wie Konstantinopel heute heißt, statt.

Bei der Veranstaltung in Istanbul, an der rund eine Million Menschen teilnahmen, sagte Erdogan, er wolle, dass die Türkei bis 2023 – wenn sich die Gründung der türkischen Republik durch Atatürk zum 100. Mal jährt – zu den zehn größten Wirtschaftsmächten der Welt gehört. Erdogan verfolgt das politische Ziel, das nach dem Ersten Weltkrieg untergegangene Osmanische Reich als Einflusssphäre Ankaras wiederherzustellen. Zu diesem Zweck mischt sich die Türkei aufseiten der Islamisten in den syrischen Bürgerkrieg ein und streckt verstärkt ihre Fühler auf den Balkan auf.

Die gestrigen Feiern haben auch eine zutiefst religiöse Komponente. Erdogan und seine islamistischen Kumpane wollen in der Türkei den Laizismus abschaffen und dem politischen Islam im öffentlichen Leben die dominierende Rolle einräumen. Dazu passt sehr gut der Rückgriff auf 1453, als am 29. Mai der osmanische Sultan Mehmet II. Konstantinopel eroberte und damit dem ohnedies schon stark geschwächten christlichen Oströmischen Reich den Todesstoß gab.

 

[Text: B. T.; Bild: wikimedia.org]