Während in den deutschen Medien die unsinnige Özil-Debatte fortgesetzt wird, anstatt einen Schlussstrich zu ziehen und sich des Rücktritts zu erfreuen, lieferte Erdogan den endgültigen Beweis dafür, dass es sich bei seinen Vorhaben nicht um einen autoritären Rückbau zur Stabilisierung handelt, sondern um eine gezielte Re-Islamisierung. Vor Anhängern bezeichnete er Israel als das derzeit „faschistischste“ Land. Das Gedankengut eines Adolf Hitler habe Israels Regierung übernommen. Erdogans anti-israelische Tiraden wurden durch entsprechende Zurufe seiner Anhänger begleitet, die mehr an den Iran erinnerten als an die vormals laizistische Türkei, wo noch gemeinsame Luftwaffenmanöver über dem Mittelmeer abgehalten wurden.

Anlass hierfür war das neue israelische Nationalitätengesetz, welches Hebräisch als einzige Amtssprache vorsieht und mit dessen Hilfe eine Arabisierung verhindert werden soll. Kein anderes Land hat die bittere Lektion, dass man sich nur auf die eigene Stärke verlassen könne, so sehr verinnerlicht wie Israel.

Sentimentalitäten sowie Wunschdenken kann man sich nicht leisten, wenn man von einigen hundert Millionen Muslimen umgeben ist, die jederzeit einen potentiellen Feind darstellen können. Jeder Moment der Unachtsamkeit kann zu einem weiteren Jom-Kippur-Krieg oder ähnlich bedrohlichen Szenarien führen.

Und wie um die Isolation zu untermauern, hat es Erdogans Rede nicht geschafft, das europäische Sommerloch zu füllen. Der wehleidige Herr Özil sehr wohl.

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia.org/Ekim Caglar; Lizenz: CC BY-SA 3.0]