Das wird den USA überhaupt nicht gefallen: Die Energieminister der Türkei und Russlands unterzeichneten im Beisein der Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin das Abkommen zur Errichtung der Pipeline „Turkish Stream“. „Das Dokument sieht die Verlegung von zwei Strängen auf dem Grund des Schwarzen Meeres vor“, sagte der Vorstandsvorsitzende des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller. Zuvor lag die Umsetzung des „Türkischen Stroms“ wegen der diplomatischen Spannungen zwischen Moskau und Ankara nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs im syrischen Luftraum durch die Türkei eine Zeit lang auf Eis.

Mit dem „Türkischen Strom“ soll in zwei Strängen – der erste soll 2019 in Betrieb genommen werden – Erdgas von Russland durch das Schwarze Meer in die Türkei und von dort weiter in die EU transportiert werden. Die Erdgasleitung, die jährlich bis zu 63 Milliarden Kubikmeter des Energieträgers transportieren soll, schwächt die Bedeutung der Ukraine als Transitland für Erdgas. Deshalb versuchte Washington als Teil der umfassenden antirussischen Politik, den „Turkish Stream“ zu verhindern. Denn seit dem Maidan-Putsch Anfang 2014, der eine sogenannte prowestliche Regierung in Kiew an die Macht spülte, ist es für die USA ein Leichtes, die durch die Ukraine verlaufenden Rohrleitungen und damit die Gasversorgung der EU zu kontrollieren.

Der „Türkische Strom“ ist aber nicht nur im Interesse Russlands, sondern auch der Türkei. Denn mit der zu errichtenden Pipeline kann das kleinasiatische Land seine Stellung als Energiedrehscheibe ausbauen. Und, wie Präsident Erdogan es ausdrückte, leiste die Türkei damit auch „einen Beitrag zur Erdgasversorgungssicherheit Europas“. Man kann es allerdings auch so sehen, dass die Türkei und damit Erdogan ein weiteres Druckmittel gegenüber Europa in die Hand bekommen.

 

[Text: B. T.; Bild: kremlin.ru]