Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan scheint entweder an autoritären Allmachtsphantasien oder an Paranoia zu leiden. Wie niederländische Medien berichten, schickte das türkische Generalkonsulat in Rotterdam ein E-Mail an die türkischen Organisationen in den Niederlanden, in dem aufgefordert wird, dass deren Angestellte das Konsulat von „Beleidigungen“ des Präsidenten in Kenntnis setzen sollen.

Wörtlich heißt es in der E-Mail: „Wenn Sie oder die Angestellten, die in ihrer Organisation arbeiten oder deren Verwandte in Ihrem elektronischen Briefkasten oder über soziale Medien eine Botschaft von einem Menschen erhalten, der den türkischen Präsidenten, den türkischen Staat oder die Türkei im Allgemeinen beleidigt, fordern wir Sie höflich auf, den Namen und das Zitat per E-Mail an unser Generalkonsulat in Rotterdam zu senden.“ Für die niederländische Journalistin Frederike Geerdink handelt es sich dabei um eine Kampagne, die „gegen alles gerichtet ist, was auf Twitter, Facebook und sogar in privaten E-Mails geteilt wird“. Zudem wirft sie der Türkei vor zu versuchen, das Verhalten der Niederländer zu beeinflussen.

Offenbar versucht Erdogan, auch im Ausland ein Spitzelwesen zu errichten. Denn in der Türkei laufen seine Kritiker Gefahr, wegen angeblicher „Beleidigungen“ des Präsidenten mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen oder sogar im Gefängnis zu landen. Erdogan und seine AKP-Partei arbeiten mit Hochdruck daran, die Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei, die immerhin ein EU-Beitrittskandidat ist, sukzessive abzuschaffen.

 

[Text: B. T.; Bild: R4BIA.com]