In der Türkei wird rigoros gegen regierungskritische Medien vorgegangen. So muss sich nun der Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, wegen eines im Mai erschienenen Artikels wegen „Spionage“ und „Hochverrats“ vor Gericht verantworten. Mitangeklagt ist der Leiter des Büros der Tageszeitung in der Hauptstadt Ankara. „Cumhuriyet“, was „Republik“ bedeutet, ist die wichtigste kemalistische Zeitung in der Türkei und steht damit im Widerspruch zu Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Islamisierungspolitik.

In dem Artikel, um den es geht, berichtete die Zeitung über Verwicklungen des türkischen Geheimdienstes MIT in den Waffenschmuggel an syrische Extremisten, die gegen Präsident Baschar al-Assad kämpfen. Demnach lieferte der Geheimdient auf Lastwagen in sechs Stahlbehältern 1.000 Artilleriegeschosse, 50.000 Patronen für Maschinengewehre und 1.000 Mörsergranaten an die syrischen Rebellen. Mit dem Artikel berichtete „Cumhuriyet“ über ein Thema, welches die Regierung in Ankara verschweigt oder abstreitet, nämlich die offene Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg, der eine der Ursachen für die gegenwärtige Flucht- und Einwanderungswelle nach Europa ist.

Chefredakteur Dündar, dem in Istanbul der Prozess gemacht wird, gibt sich kämpferisch: „Wir sind hierhergekommen, um das Recht der Öffentlichkeit auf Nachrichten und ihr Recht zu wissen, dass sie die Regierung mit Lügen füttert, zu verteidigen. Wir sind hierhergekommen um zu zeigen und zu beweisen, dass die Regierung keine illegalen Aktivitäten machen und diese dann verteidigen darf“, sagte Dündar im Gerichtsgebäude.

 

 

Text: B. T.
Bild: Screenshot www.cumhuriyet.com.tr