Was viele vermutet haben, wird nun bestätigt. Der in der Bundesrepublik Deutschland tätige türkische Islamverband Ditib ist ein verlängerter Arm von Recep Tayyip Erdogan und bespitzelte Gegner des türkischen Präsidenten. Insbesondere einzelne Imame von Ditib sammelten Informationen über in Deutschland lebende Anhänger des Predigers und Erdogan-Widersachers Fethullah Gülen und schickten diese in die Türkei. Damit erweist sich Ditib einmal mehr als wichtiges Instrument zur Förderung türkisch-islamischer Parallelgesellschaften in Deutschland.

Das staatliche türkische Religionsamt Diyanet soll angeblich nicht in die Affäre verwickelt sein. So sagte Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga der „Rheinischen Post“: „Die schriftliche Anweisung des türkischen Religionspräsidiums Diyanet war nicht an die Ditib gerichtet. Trotzdem folgten dem einige wenige Ditib-Imame fälschlicherweise. Wir bedauern die Panne zutiefst und haben diesbezüglich auch mit Diyanet gesprochen.“ Diyanet hatte im Vorfeld einer Islam-Konferenz im Herbst 2016 ihm unterstehende Organisationen aufgefordert, Informationen über Gülen-Anhänger zu sammeln. Präsident Erdogan beschuldigt den in den USA lebenden Prediger, die treibende Kraft hinter dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli des Vorjahres gewesen zu sein.

Trotz der zweifelhaften Rolle von Ditib erklärte die rot-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, weiter mit diesem Verband zusammenarbeiten zu wollen. Wie eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Integrationsministeriums erklärte, sehe die Landesregierung in Düsseldorf Ditib weiterhin aus „wichtigen Partner“ an. Der Zusatz, dass man sich aber „eine eindeutige Haltung im Sinne von Deeskalation und Meinungsfreiheit erwarte“, erscheint nur wenig glaubwürdig.

 

[Text: B. T.; Bild: Raimond Spekking/wikimedia.org]